Es scheint wohl so, als wäre es derzeit nicht unbedingt die beste Zeit um ins Kino zu gehen. Doch zum Glück gibt es ja ein unerschöpfliches Angebot an Filmen, ob auf Netflix oder Amazon Prime. Und damit Euch in eurer Zuhause-Rumgammeln- und Home-Office-Phase nicht langweilig wird, werde ich in Zukunft immer wieder den einen oder anderen Film, von der einen oder anderen Streamingplattform für Euch anschauen und kritisieren. So erfahrt Ihr exklusiv auf meinem Blog, was die Filme taugen bzw. ob sie überhaupt etwas taugen oder man lieber die Finger davon lassen sollte.
Den Start macht „Spenser Confidential“, der am 06. März auf Netflix veröffentlicht wurde. Ein amüsanter Trailer, ein wie immer lustiger Mark Wahlberg und ein derzeit rundum beliebter Schauspieler Winston Duke ließen nette Unterhaltung mit dem gewissen Etwas vermuten.
Spenser (gespielt von Mark Wahlberg), ein Ex-Polizist, wird aus dem Gefängnis entlassen. Fünf Jahre musste er hinter Gitter, da er seinen ehemaligen Vorgesetzten verprügelt hatte, aus Wut, dass dieser eine gefährliche aber wichtige Spur zu einem Gangsterboss nicht weiter verfolgte. Doch kaum ist Spencer aus dem Knast passieren um ihn herum seltsame Morde. Hat er selbst etwas damit zu tun? Die Polizisten, die ihn aufsuchen und dazu befragen wollen, scheinen das zu glauben. So begibt sich Spencer zusammen mit seinem Zimmergenossen auf einen gefährlichen Weg der Selbstjustiz und Verbrechensbekämpfung. Und damit seit langem mal wieder eine neue garantiert spoilerfreie Filmkritik. Ihr kennt das ja.
Es ist die inzwischen fünfte Zusammenarbeit zwischen Regisseur Peter Berg und Schauspieler Mark Wahlberg und vermutlich kommen noch einige weitere gemeinsame Filme. So kann auch nach diesem Film ein Zwischenfazit gezogen und gesagt werden, dass die beiden durchaus miteinander harmonieren. Es scheint fast so, als ob Peter Berg seine Charaktere bereits bewusst auf Mark Wahlbergs Charakter zuspitzt und schreibt, sodass am Ende, wie immer, der Testosteron geladene Mark sich selbst spielen kann.
Dass es sich bei Mark Wahlberg nicht um einen begnadeten Schauspieler handelt, sollte der Allgemeinheit längst klar sein. Und dennoch, seine Filme haben immer einen gewissen Charme und ein gewisses Augenzwinkern inne. Logiklöcher, schlechtes Drehbuchschreiben und klischeehaftes Schauspielern kann da schon mal verziehen werden. Aber er hat eben auch schon bewiesen, dass er in wirklich guten Komödien oder Action-Komödien mitspielen kann, sei es „Ted“ (2012) oder „2 Guns“ (2013). Letzterer hat ebenso gezeigt, wie gut Mark Wahlberg in Filmen funktionieren kann, wenn man ihm einen „Buddy“ daneben stellt. Damals Denzil Washington und diesmal ist es Winston Duke. Und tatsächlich sind die Gespräche, Sticheleien und brüderlichen Momente zwischen diesen beiden Typen die einzigen wirklichen Lichtblicke des Films.
Winston Duke spielt dabei nur leider eine absolut austauschbare Person, die man so in dieser Form in duzenden anderen Filmen bereits gesehen hat und vor allem besser. Wenngleich die Rolle, die er verkörpert bisweilen nett anzusehen ist, ermüdet man doch recht schnell – am Schauspiel und daran, wie der Charakter geschrieben wurde. Er ist einfach da, damit er eben da ist und leider verleiht Winston Duke dem ohnehin schlecht geschrieben Charakter keinen echte Seele, wodurch die Figur trotz Showeinlage im Finale nur an der Oberfläche kratzt.
Auf der anderen Seite sehen wir Mark Wahlberg. Ein inzwischen gestandener Schauspieler, dessen Filme aber gewiss kein Gütesiegel tragen. Häufig zu platt und sehr häufig zu patriotisch, wenngleich ihm letzteres in den USA große und allgemeine Beliebtheit beschert. Aber Patriotismus hat dort nun einmal auch einen ganz anderen Stellenwert als hier zu Lande.
Doch schafft es Mark Wahlberg erneut, dass man mit seinem Charakter sympathisiert, mögen die Witze noch so platt sein. Aber genau hier spielt dann die Spielfilmlänge eine entscheidende Rolle.
Platte Action und flache Witze sind ok. Doch sind die wenigen Actionszenen ebenso zu kurz geraten und waren nicht kreativ genug. Gelegentlich mal das Hirn ausschalten ebenso, doch möchte man am Ende dennoch einen Film sehen, der zumindest eine gewisse Daseinsberechtigung hat. Doch solle ich eben dafür Argumente aufzählen, würden mir keine einfallen. Den Film hat man nämlich ebenso schnell vergessen, wie man ihn gesehen hat. Knackiger und kürzer hätte er deswegen sein sollen – die fast zwei Stunden sind da einfach zu lang.
Um eine persönliche Anekdote anzuhängen:
Während ich den Film angeschaut habe, hatte ich mich tatsächlich gut unterhalten gefühlt. Die Action war bisweilen sehr hart, aber schwankend in der Qualität, insbesondere bei Fist Fights. Im ersten Moment wirkten sie „handgemacht“ und man kaufte den Protagonisten tatsächlich ab, dass der Schlag eben weh tat (nicht so, wie bei dem einen oder anderen „The Rock“-Film). Das macht den Charakter Spencer in solchen Momenten erst einmal nahbarer. Wenn er aber dann im nächsten Moment nach fünf Schlägen ins Gesicht im Handumdrehen 11 Schlägertypen ausknockt, fängt mein Hirn an, sich langsam aber sicher zu verabschieden.
Die Bewertung von Filmen hat immer etwas mit der eigenen Erwartungshaltung zu tun. So wollte ich, als ich mir den Film ansah, nichts anderes als mein Hirn ausschalten und entspannen. Das Resultat: das war auf jeden Fall möglich. Doch zufrieden ist man dann noch nicht. Denn dennoch braucht man einen gewissen Mehrwert, den der Film am Ende mit sich bringt und da dies letzten Endes nicht unbedingt der Fall war, kann ich den Film nicht all zu gut bewerten. Es fehlt dem Film schlicht und einfach an Originalität. Das machen die überdurchschnittliche Auflösung des Films und die sympathischen Momente zwischen Wahlberg und Duke dann leider auch nicht mehr besser.
Doch solltet Ihr, wie ich, in eurer Quarantäne das Verlangen verspüren einen doch relativ stumpf geratenen Thriller anzuschauen, kann ich „Spenser Confidential“ weiterempfehlen.
Kriterien:
- 5/10 Drehbuch: hinterlässt absolut keinen bleibenden Eindruck; einzig alleine während des Guckens ist die Story hin und wieder recht spannend und interessant; zu kurz geratene Action-Szenen, nicht wirklich originell
- 6/10 Protagonisten: solide Perfomance; aber in diesem Fall das Problem: genau so, wie man es erwarten würde; leider keine zumindest kleinen positiven Überraschungen; einzig und allein Mark Wahlberg kann, wie gewohnt überzeugen; einzigen Lichtblicke des Films: Buddymomente zwischen Mark Wahlberg und Winston Duke
- 5/10 Kameraarbeit: solide; nicht mehr, aber auch nicht weniger; ebenso nicht sonderlich originell
- 6/10 Szenenbild: sieht recht hochwertig aus; Stadtbilder werden in weiten Aufnahmen aufgefangen; die Auflösung des Films ist wahnsinnig hochwertig
- 6/10 Kostüm, Make Up, Visual Effects: praktisch gehalten; die Effekte sehen allesamt solide aus; allerdings wurde sehr an Effekten gesparrt, vermutlich aus Kostengründen
5,6/10 Gesamtwertung

