Filmkritik: „I Feel Pretty“

Ich war vor kurzem in der Pressevorführung des Films „I Feel Pretty“. Dies ist der neue Film von Abby Kohn und Marc Silverstein, die sowohl die Regisseure, als auch die Drehbuchautoren waren. Sie sind bereits bekannt dafür, leicht verdauliche Filme auf die Leinwand zu bringen. Ob sich dieser Film von ihren bisherigen abheben kann, erfahrt Ihr in meiner neuen garantiert spoilerfreien Filmkritik.

Komödien bewegen sich häufig auf einem schmalen Grad zwischen Emotionen und einem guten Story-Telling. Die Krankheit dieses Genres ist es, viel zu häufig zu viele Gefühle und Impressionen auf einen relativ kurzen Zeitraum verpacken zu wollen. Dabei wird aber das, häufig sehr wichtige, Thema vernachlässigt und kommt zu kurz. In eben solchen Komödien gibt es eine sehr bekannte Schauspielerin: Amy Schumer. Ihr neuester Film „I Feel Pretty“ startet am 10. Mai 2018 in den deutschen Kinos. Und er könnte anhand des Trailers und einem ihrer letzten Filme „Dating Queen“ (im Original: „Trainwreck“), aus dem Jahr 2015, in diese Schublade passen. Ich war für euch in der Pressevorführung.

Amy Schumer verkörpert die Protagonistin namens Renee Barret. Diese junge Frau durchlebt im Laufe des Films eine Art Selbstfindungsphase. Sie fühlt sich in ihrem Körper sehr unwohl und empfindet sich selbst als übergewichtig, was ihr ihren Alltag als einfache Bürokraft in dem Fashion-Unternehmen „Lilly LeClaire“ alles andere als erleichtert. Ein unerwarteter Unfall in einem, von ihr regelmäßig besuchten, Fitnessstudio sollte aber Renees Leben grundlegend verändern. Durch eine Kopfverletzung „überfraut“ sie eine neue Lebensenergie und ein Elan der sie selbstbewusster und authentischer erscheinen lässt. Denn sie selbst empfindet sich fortan als wunderschön und attraktiv. Doch muss auch sie lernen, was wahre Schönheit wirklich bedeutet.

Abby Kohn und Marc Silverstein waren sowohl die Regisseure, als auch die Drehbuchautoren. Sie bewiesen mit Filmen, wie „How to Be Single“ (2016) und „Valentine’s Day“ (2010), dass sie ein Gespür für leichte Kost haben und somit sollten Zuschauer nicht mit den gleichen Erwartungen an diesen Film herangehen, die sie bspw. bei einem Todd Phillips Film hätten. So entstand nämlich hier eine wahnsinnig vorhersehbar Film, der zwar manchmal versucht einen Twist einzubauen, das zündet allerdings zu keiner Sekunde.

Die Hauptdarstellerin Amy Schumer („Mädelstrip“, 2017) ist in Europa noch nicht sonderlich bekannt, aber gerade in den USA erfreut sie sich großer Beliebtheit. Sie ist dort eine prominente Stand-Up-Komödiantin und hat eine große Fanggemeinschaft. Hin und wieder „traut“ sie sich aber auch mal vor die Kamera um ihren Witzen freien Lauf zu lassen. In diesem Film verkörpert sie ihre Rolle zwar meist sehr überzeugend, aber dabei kommen keine sonderlich facettenreichen Schauspielkünste an den Tag. Sie spielt eine, ihr auf den Leib, geschrieben Rolle und schafft es nur mit Humor den Zuschauer für sie zu gewinnen. Bei einem fast zwei-stündigen Film kann diese Gag-Dichte schon mal anstrengend werden. Alles in allem zwar eine solide schauspielerische Leistung, die aber keine besonderen Erwähnungen zulässt, außer dass man hin und wieder durchaus schmunzeln musste.

Rory Scovel („Casino Undercover“, 2017) verkörpert einen sehr austauschbaren Nebencharakter, namens Ethan. Dieser findet im Laufe des Films zu Renee. Er soll eine Balance zu den überstilisierten Model-Charakteren, wie Emily Ratajkowski schaffen. Diese verkörpern ein sehr auf das Aussehen reduziertes Weltbild, dessen sich Renee Barret von Anfang an anschließen möchte. Dies hinterlässt einen unangenehmen Nachgeschmack, da sie sehr lange braucht, um genauer zu sein, einen ganzen Film lang versucht, sich an das heutige Modelideal anzupassen und sich mit diesem zu identifizieren.

Die Kameraarbeit ist dabei sehr einfach gehalten und lässt keine besonderen Erwähnungen zu. Schnitt ist relativ schnell und die Musik ist gelegentlich zu hochtrabend. Gerade in einer Stripszene wird die Musik und der Schnitt (Slow-Motion) mit typischen komödiantischen Elementen verbunden, dabei dient auch noch New York als Kulisse, wodurch die Geschichte einen Eindruck von einem Film hinterlässt, den man so schon sehr oft gesehen hat.

Kriterien:

  1. 2/10 Drehbuch: sehr flach; anfangs und am Ende nette und sympathische Idee, aber den ganzen Film lang, wird ein sehr fragwürdiges Schönheitsideal vermittelt, wobei vermutlich genau dies, das kritische Thema hätte sein sollen; nicht gut durchdacht
  2. 4/10 Protagonisten: alle verkörpern, ihnen auf den Leib geschriebene Rollen; Amy Schumer schafft es manchmal durch eigene Witz und Charme, der Rolle Leben und Witz einzuhauchen; alles im allem performen alle Schauspieler unter ihrem möglichen Potenzial oder der Cast kann es tatsächlich nicht viel besser
  3. 4/10 Kameraarbeit: Kameraarbeit lässt, wie bereits erwähnt keine besonderen Erwähnungen zu; Kamera wurde nicht als Stilmittel verwendet; einfache, aber nicht immer klare Bilder; Schnitt sehr hektisch
  4. 6/10 Szenenbild: einzig und allein das Szenenbild ist ganz O.K. geworden; Großstadt-Feeling kann einigermaßen überzeugen (New York)
  5. 3/10 Kostüm und Make Up: absolut keine Besonderheiten (selbst für einen Film mit dem vordergründigen Thema: Model); klar es werden vermutlich schöne und bekannte Designerkleider gezeigt, diese haben aber absolut keinen wichtigen Stellenwert im Film

3,8/10 Gesamtwertung

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