Horrorfilme haben in den letzten Jahren eine starke Entwicklung durchlebt und eine größere Fangemeinde bekommen. Das Wort „Horror“ kommt aus dem Lateinischen und kann mit etwa „Entsetzen“ oder „Schrecken“ übersetzt werden. Doch haben diese Filme, genauso wie alle anderen ein Ziel vor Augen oder besser gesagt, ein Gefühl, das beim Zuschauer hervorgerufen werden soll. Dieses Gefühl sollte i.d.R. mit etwas vergleichbaren wie Angst oder Entsetzen in Verbindung gebracht werden. Dabei gehen die unterschiedlichen Horrorfilme auch immer sehr unterschiedliche Wege.
Horrorthriller setzen meist auf Atmosphäre. Der Zuschauer soll in den Bann gezogen werden. Er soll das Gefühl kriegen, auf die Leinwand schauen zu müssen und gleichzeitig wegschauen zu wollen. Wenn ein Film dies erreicht hat, ist das Fundament für einen potenziell guten Horrorfilm schon einmal gesetzt. Ganz anders ist das bei bspw. „Splatter-Filmen“ oder der extremen Variante, dem „Torture-Porn“. Hier soll der Zuschauer nicht mit dem Überraschungsmoment erschrocken oder geschockt werden. Viel mehr möchte der Film ein gewisses Ekelgefühl hervorrufen, dass bei manchen auch einen gewissen Kick auslöst, je nachdem, wie lange man das Szenario aushält.
Der Film um den es heute gehen soll gehört eindeutig in die Kategorie des Horrorthrillers. Der Schauspieler John Krasinski ist einer der Hauptdarsteller des Films, darüber hinaus saß er aber auch im Regiestuhl und hat am Drehbuch mitgewirkt. Der Film polarisierte schon im Vorfeld, durch seinen außergewöhnlichen Stil, der sich bereits im Trailer bemerkbar machte: Es wird so gut wie gar nicht geredet. Das bedeutet, dass der Film allein durch Atmosphäre, Mimik und Gestik punkten muss, um einen emotionalen Ankerpunkt beim Zuschauer zu finden. Kommuniziert wird fast zu jeder Zeit über Gebärdensprache, wodurch dem Zuschauer aber die Möglichkeit geboten wird, eigene Interpretationen der jeweiligen Handlung zu finden. Die Folge ist, ein zu Beginn wahnsinnig ruhiger Film, der die Spannung nach und nach aufbaut, allerdings mit kurzweiligen Durststrecken. Jedoch ist John Krasinski ein alles andere als schlechter Film gelungen und das mit einem Budget von gerade mal circa 17 Millionen US $. Im Folgenden nun eine neue garantiert spoilerfreie Filmkritik.
„A Quiet Place“ ist ein Film, der mit wenigen Mitteln sehr viel bewirken kann. Dabei hat er ein wahnsinnig großes Potenzial, das er auch so gut wie vollständig ausschöpft. Es handelt sich um einen Endzeitfilm, dessen Handlung sich fast zu jeder Zeit auf einer kleinen abgelegenen Farm in den USA abspielt. Die dargebotene Dystopie sieht wahnsinnig gut und realistisch aus. Dort in diesem futuristisch-pessimistischen Szenario wohnt eine kleine Familie. Doch sind sie allein und weit entfernt von jeglicher Zivilisation. Nur auf sich angewiesen durchlebten sie, was anhand des Trailer zu erahnen ist, eine Art Invasion oder Beinah-Apokalypse, was zur Folge hatte, dass sie vermutlich eine der letzten, wenn nicht, die letzten Menschen sind. Schnell fand man heraus, dass Lärm und jegliche anderen Geräusche etwas bisher unbekanntes angelockt haben. Etwas, was überaus sensibel auf jeden, noch so leisen Ton reagiert. Das bedeutet, man muss leise sein, sehr leise. So wurde aus der Welt „A Quiet Place“.
John Krasinski verkörpert einen … wartet es kommt gleich … sehr ruhigen Charakter. In einem Film, in dem nicht geredet wird, sollte das allerdings nicht zu verwunderlich sein. Aber nichts desto trotz ist er von seiner gesamten Mimik, Gestik und Körperhaltung der vermutlich ruhigste Protagonist des Films. Er schafft es mit einem unglaublich starken Gesichtsausdruck und seinen warmen Augen eine ebenso unglaubliche Spannung, wie Ruhe zu erzeugen. Er ist der große Sympathieträger des Films und als Zuschauer schließt man ihn sehr schnell ins Herz. Er ist sowohl Lebensgefährte, als auch Vater und eine Art Überlebenstrainer für seine Familie. Seine Rolle ist in diesem Sinne sehr einseitig, das ist in diesem Film aber auch von Vorteil. Er ist, wie so oft in Horrorfilmen, die eine wegweisende Instanz, der man Vertrauen schenkt, sowohl in der Geschichte, als auch als Zuschauer. Deshalb spielt er zwar eine, an das Szenario angepasste Rolle, die aber sehr gut geschrieben und intensiv gespielt wurde.
An seiner Seite verkörpert Emily Blunt die Mutter der Kinder. Sie überzeugt in ihrer Rolle auf ganzer Linie. Man nimmt ihr die fürsorgliche Mutter und auch Lebensgefährtin/Ehefrau zu jeder Zeit ab. Besonders ihre stille Verzweiflung bleibt einem nachhaltig im Gedächtnis. Stichwort: Badewanne. Gerade auf diese Szene sollte jeder achten, wenn man den Film anschaut. Diese Performance war derart intensiv und ausdrucksstark und das ohne einen Ton von sich zu geben. Als Zuschauer bleibt einem automatisch der Atem weg, wenn man eine Person, in einer solch schrecklichen Situation leiden sieht. Darüber hinaus schafft sie es einen, zu jeder Zeit, sehr emotionalen Charakter auf die Leinwand zu bringen, aber dabei das genaue Maß abwägen zu können, bevor es überdramatisiert wirkt. Eine sehr gute schauspielerische Leistung.
Die Kinder des Paares verkörpern alle sehr zweckgebundene Rollen. Jedoch jeweils mehr oder weniger intensiv.
Einen sehr kurzen jedoch sympathischen Auftritt hat der Schauspieler Cade Woodward. Aufgrund der geringen Screentime kann zu ihm nicht viel gesagt werden. Er passt zwar gut in die Rolle, diese ist aber letzten Endes nur Mittel zum Zweck um die Geschichte stellenweise voranzubringen.
Noah Jupe verkörpert ein Kind, dass es zu beschützen gilt. Er ist verhältnismäßig zu anderen Kinderrollen in Filmen, relativ furchtlos. Auch er spielt seine Rolle sehr solide. Allerdings lässt seine schauspielerische Leistung keine besonderen Erwähnungen zu, außer, dass sie sich sehr gut in den Film einfügt.
Der kleine Star des Films ist allerdings die junge, 2003 geborene, Millicent Simmonds. Bereits mit 12 Jahren verlor Simmonds ihr Gehör durch eine Überdosis von Medikamenten. Ihre Mutter brachte ihr daraufhin die Gebärdensprache bei. Somit belegt sie wohl, die für sie perfekte Rolle. Diese Tatsache wirkte sich unterstützend auf das Erlernen der Gebärdensprache für alle anderen Schauspieler aus. Sie ist wahnsinnig ausdrucksstark und ihre Gesichtsmimik bleibt einem nachhaltig im Kopf.
Alle Schauspieler sollen hier nun noch einmal eine besondere Erwähnung bekommen, da sie extra für den Film (abgesehen von Millicent Simmonds) die Gebärdensprache erlernten. Das führt definitiv zu zunächst erschwerten schauspielerischen Bedingungen, die aber im Laufe des Films nicht zu einer Sekunde bemerkbar wurden.
Abschließend kann gesagt werden, dass John Krasinski ein unglaublich gutes Gespür hat für gewisse Horrorelemente. Besonders muss hervorgehoben werden, dass es so gut wie keine klischeehaften Handlungen der Figuren gab. Man konnte so gut wie jede Intention der Protagonisten nachvollziehen und verstehen. Die Atmosphäre des Films ist unglaublich spannend und überwiegend gruselig, sodass Horrorthriller-Fans auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen. Jumpscares wurden dezent aber sehr gut und gezielt verwendet, was dem Film sehr abwechslungsreich macht, was die unterschiedlichen Horror-Elemente angeht. Einzig und allein, über das Ende lässt sich streiten. Das soll aber jeder für sich im Kino herausfinden.
Kriterien:
- 7/10 Drehbuch: überwiegend gut durchdacht; passt sich an das Genre sehr gut an; gibt allerdings keine Besonderheiten, die hervorgehoben werden müssten; über das Ende lässt sich streiten
- 9/10 Protagonist(en): durchweg sehr gute schauspielerische Leistung; besonders Emily Blunt sollte an dieser Stelle genannt werden
- 7/10 Kameraarbeit: horrortypische Kameraführung; in diesem Fall nehme ich die Soundarbeit dazu; durch die aufkommende Stille, kann man die Spannung förmlich in der Luft greifen
- 9/10 Szenenbild: das Szenenbild ist unglaublich gut ausgewählt; die einsame und verlassene Landschaft wirkt auf den Zuschauer sehr gruselig und löst ein gewisses Unbehagen aus, genau so wie es sein sollte
- 8/10 Kostüm und Make Up: um weiterhin spoilerfrei zu bleiben, sollte jeder für sich selber erkennen oder in Frage stellen warum diese Kategorie 8 Punkte bekommt
8/10 Gesamtwertung
Quellen:

