Big Zuckerberg is watching YOU

Social Media – Fluch oder Segen?

Allein in Deutschland hat Facebook eine Nutzerzahl von circa 31 Millionen. Analysen zur Folge sind davon 21 Millionen sogar täglich aktiv. Zum Vergleich: als Facebook 2004 erstmals online ging, erreichte die Seite in kürzester Zeit die Millionenmarke. Doch allein zwei Jahre später verzwölffachten sich die Mitglieder. Und heute erfreut sich das Unternehmen an 2.129.000.000 (ca. 2,13 Milliarden) Nutzern und ist damit auf dem dritten Platz der meist aufgerufenen Websites.

Facebook steht allerdings derzeit im sehr negativen Rampenlicht. Doch sollten die kürzlich bekanntgegeben Vorwürfe keinen all zu sehr überraschen. Der Skandal um Cambridge Analytica könnte das Unternehmen dennoch dazu zwingen, ihr Geschäftsmodell noch einmal gründlich zu überdenken. Damals habe die Analysefirma illegal Informationen über mehrere Millionen Facebook-Nutzer abgespeichert. Soweit so schlecht, doch stellte sich im Nachhinein heraus, dass eben diese Firma ebenfalls für Donald Trumps Werbekampagne gearbeitet hat. Das Unternehmen versicherte zwar, die gesammelten Informationen wieder zu löschen, was aber offensichtlich nicht erfolgte.

Facebook kündigte nun an, dass in den kommenden sechs Monaten, die Funktion ausgeschaltet wird, die für die bisherige Datenspeicherung verantwortlich war. Eine Folge aus dem enormen Druck der auf Facebook ausgeübt wurde. Außerdem soll das Design der Settings komplett überarbeitet und nutzerfreundlicher gestaltet werden. 

Vergangenen Mittwoch präsentierte Facebook bereits eine neue Auflage der Datenschutzerklärung. Facebook agierte nicht unbedingt freiwillig, reagierte jedoch sehr schnell auf die EU-Datenschutzgrundverordnung. Facebook selbst erwähnt diese aber an keiner Stelle, so entstand zunächst der Trugschluss, Facebook habe aus eigenem Interesse und womöglich eigener „Vernunft“ gehandelt. Auch Apple-Chef Tim Cook ist enttäuscht von Facebook. Er hoffte, dass das Unternehmen von sich aus Neuerungen in die Wege leiten würde und die Datensammlung stark bis gänzlich einschränkt. Cook ist der Meinung, dass Selbstregulierung am Ende immer besser sei. Das ist auch der Grund, weshalb sich Apple dagegen entschied aus Nutzerprofilen Geld zu erwirtschaften, deshalb ist das iPhone bis heute das Steckenpferd des Milliardenkonzerns.

Eine maßgebliche Erneuerung, die Facebook am Mittwoch ankündigte, war die neue Übersichtlichkeit der Einstellungen. So sind, laut dem Unternehmen, alle Settings an einem Ort verfügbar und nicht wie zuvor verteilt auf ca. 20 unterschiedliche Unterseiten. Die Intention Facebooks sei, dass seine User in Zukunft einfacher bestimmen können, was mit ihren Daten und Informationen geschieht. Für die Norm eine Selbstverständlichkeit. Kommt allerdings darauf an, wer die Norm bestimmt. Trotz allem appelliert Facebook ebenso an die Verantwortung der Nutzer. Demnach sollte nicht jede Information auf soziale Plattformen hochgeladen werden.

Mark Zuckerberg schrieb einmal, dass sein Unternehmen „gebaut“ wurde, „um eine soziale Mission zu erfüllen – die Welt offener zu machen und enger zu verbinden.“ Politisch, sozial und ethisch. Das sind vielleicht zunächst freundlich gesinnte Leitgedanken für ein Unternehmen dieser Größe. Aber für welchen Preis, muss man sich doch fragen. Denkt man an den Arabischen Frühling, haben soziale Medien, wie Facebook oder auch Twitter, entscheidende Rollen gespielt. Die politische Kommunikation veränderte sich schlagartig und initiierte somit viel Umbrüche im nahen Osten. Facebook sollte sich also jederzeit bewusst sein, welche Tragweite Social Media haben kann.

Kommunikation. Ein wichtiges Stichwort, da die Kommunikation längst nicht innerhalb des Silicon Valley bleibt. Nein, die ganze Welt ist vernetzt. Gerade in Europa herrschte deswegen eine wichtige Debatte, die die Besteuerung von Digitalkonzernen betraf. Kritikpunkt war, dass Unternehmen, wie Google, Facebook oder auch Amazon unzählige Gewinne mit den Informationen europäischer Nutzer erwirtschaften, diese aber nicht in Europa versteuern. Deshalb sollen diese Konzerne zunächst drei Prozent ihrer Einnahmen an Europa abgegeben, bis eine langfristige Lösung gefunden wurde. Gerade deutsche Politiker, wie der Justizminister Heiko Maas, sind sehr ambitioniert um Facebook in die Schranken zu weisen.

Zuckerberg hätte mit einkalkulieren müssen, welche finanziellen Ausmaße das Unternehmen erreichen wird und wie er dies Einkünfte versteuert. Langfristig gesehen war es nur eine Frage der Zeit bis bspw. die EU Gesetze verabschieden wird, die die Besteuerung von Online-Konzernen betreffen werden.

Das größte Problem für Facebook dürfte allerdings das, inn aller Welt aufkommende, Misstrauen sein. Social Media. Social. Soziales sollte im Idealfall von Zuwendung und Vertrauen profitieren und leben können. Solange es aber heißt „Big Zuckerberg is watching YOU“ wird der Konzern kein Vertrauen ernten.

Zeitschriftenquellen:

  • Der Spiegel; Nr. 13, 24.03.2018; Titel: „Die Falle Facebook“; Artikel: „Außer Kontrolle“
  • Stern; Nr. 14, 28.03.2018; Titel: „Paris“; Artikel: „Datenskandal – Das vergiftet Netzwerk“

Internetquellen:

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