Filmkritik: „Die Verurteilten“

Immer seltener verdienen es Filme, sie als absolute Meisterwerke zu bezeichnen. Ohne Fehler. Ohne Makel. Dabei spielt das Genre zunächst einmal keine Rolle. Die Story, Regie und die Schauspieler allein, sind hierbei der Grund, warum der Film als Klassiker in die Geschichte eingeht. Über genau so einen Klassiker möchte ich heute in meiner neuen Filmkritik sprechen und zwar die Buchadaption „Die Verurteilten“ aus dem Jahr 1994.

Frank Darabont, der Regisseur und Drehbuchautor des Films, ist vermutlich nicht jedem bekannt. Allerdings saß er ebenfalls bei Filmen, wie „The Green Mile“ (1999) und später auch bei der Stephen King Filmadaption „Der Nebel“ (2007) im Regiestuhl und leistete beide Male im Story-Telling hervorragende Arbeit. Es kristallisiert sich klar heraus, dass er in der Vergangenheit auf jeden Fall eine glückliches Händchen für guten Filmstoff hatte. Die Betonung liegt auf „in der Vergangenheit“. Bedauerlicherweise sind nicht viele weitere Filme von ihm bekannt. Seine bisher letzte Arbeit aus dem Jahr 2013 war die TV-Serie „Mob City“. Doch es stellte sich heraus, dass sich diese als finanzieller Flop entpuppen sollte und aufgrund sehr geringer Einschaltquoten wurde die Produktion für eine zweite Staffel auf Eis gelegt. Doch gerade der Film, um den es heute in dieser Review geht polarisierte das Publikum so stark, sodass er es geschafft hat auf Platz 1 der IMDb-Liste (Internet Movie Database) zu sein.

Im Folgenden werde ich meine Meinung zum Film schildern und aufzeigen, ob der Film tatsächlich ein Meisterwerk ist oder eher nicht. Hier eine weitere spoilerfreie Filmkritik.

„Die Verurteilten“ ist ein Drama und eine Filmadaption zu einer bereits bestehenden Buchvorlage, allerdings wurden einige Details für den Film verändert. Deswegen soll es heute aber nur um den Film gehen. Der Protagonist heißt Andy Dufresne, wobei sein Freund Ellis Boyd Redding im Laufe des Films einen ebenso hohen Stellenwert hat. Die Geschichte startet im Jahr 1947. In diesem Jahr wird Andy Dufresne, gespielt von Tim Robbins, wegen dem angeblichen Mord an seiner Frau, zu zweimal lebenslanger Haftstrafe verurteilt. Deswegen wird er zu Beginn in das Gefängnis von Shawshank (daher der Originaltitel: „The Shawshank Redemption“) verfrachtet. Dort ist er zunächst ein unscheinbarer Mann. Doch nachdem er den Häftling Ellis Boyd Redding, kurz Red (gespielt von Morgan Freeman), kennenlernt, beginnt im Laufe des Films eine brüderliche Freundschaft. Eine Freundschaft, die sich den kriminellen Machenschaften des Gefängniswärters und des Direktors entgegenstellt. Dabei ist die Geschichte sehr ruhig und nimmt sich die Zeit, lange und umfangreiche Handlungsstränge nicht in ein paar Szenen abzuarbeiten, sondern tief Luft zu holen und die gesamte Geschichte in allen Einzelheiten zu erzählen. So entsteht die Teilbiographie eines Mannes, der im Gefängnis erst erkennt, was das Leben einem bieten kann und was Freundschaft wirklich bedeutet.

Tim Robbins, der Hauptdarsteller (auch bekannt aus bspw. „Top Gun“, 1986 oder „Krieg der Welten“, 2005) spielt einen sehr ruhigen und introvertierten Charakter, namens Andy Dufresne. Doch gerade dies verleiht dem Film die großartige Ruhe, die sich durch den Film zieht. Egal ob Aufregung herrscht oder in einfachen Dialogen. Tim Robbins schafft es zu jeder Zeit einen sehr angenehmen und bedachten Menschen auf die Leinwand zu bringen. Dabei fällt es dem Zuschauer aber sehr leicht, diese Ruhe nachzuempfinden und sein Handeln zu verstehen. Sehr solide und gute schauspielerische Leistung.

An seiner Seite spielt Morgan Freeman („The Dark Knight“, 2008) den Charakter Ellis Boyd Redding. Im O-Ton ist Morgan Freeman weltweit für seine einzigartige Stimme bekannt und wie sollte es anders sein? Natürlich verkörpert er, neben seiner eigentlichen Rolle, einen allwissenden Erzähler, der im Hintergrund die einzigartige Geschichte dokumentiert, kommentiert und erzählt. Oft hat man das Gefühl, wenn Morgan Freeman einen Rolle besetzt, dass sich alles um ihn dreht, selbst wenn es nur eine Nebenrolle ist. Doch ist hier das genaue Gegenteil der Fall. Obwohl er der Erzähler ist und vermutlich ähnlich viel Screentime wie Tim Robbins hat, nimmt er in keiner Sekunde einen höheren Stellenwert, als dieser ein. Viel mehr ist er eine ergänzende Instanz, die die Geschichte rund und harmonisch macht.

Die Geschichte dreht sich in diesem Sinne nicht um Ellis Boyd Redding, sondern um Andy. Ein Mann der es schafft mit wenigen Worten viel zu bewirken, sowohl in der Geschichte, als auch beim Zuschauer. Letzten Endes handelt es sich um eine Gefängnis-Geschichte, die aber den Bau von einer ganz anderen, ja fast schon teilweise sympathischen, Seite zeigt, was nicht heißen soll, dass der Film zu optimistisch ist. Nein, aber er schafft es pessimistische Filmstrecken durch Hoffnung auszugleichen. Dabei merkt man aber auch, wie viel Perfektionismus in der Erfindung dieser beiden Charaktere steckte, da sie sich so perfekt ergänzen, sodass der wohl mit Abstand stimmigste Film aller Zeiten entstanden ist.

Und genau das ist das besondere an dem Film. Er setzt nicht auf jede Menge Visual Effects oder Kostüm und Make Up. Er versucht nicht etwas zu sein, was er nicht ist. Und er ist eine Geschichte von Freundschaft. Und diese erzählt er langsam und detailliert, ohne Hektik. Der Film nimmt sich die Zeit über fast 2 1/2 Stunden eine unglaublich filigrane Story zu erzählen, die einem ans Herz geht und ich am Ende aus dem Film ging und mir einfach nur dachte, und ich ging nicht davon aus, dass ich das sobald mal von einem Film behaupten würde: Das war wohl der bisher beste Filme, den ich je gesehen habe.

Kriterien:

  1. 10/10 Drehbuch: unglaublich filigran und ausgeklügelt; kein Kreis der sich schließt, sondern eine Geschichte, die den Zuschauer von Anfang bis Ende trägt und in den Bann zieht; perfekte Charakterentwicklung, sowohl bei den Protagonisten, als auch bei den Antagonisten
  2. 10/10 Protagonist(en): wie bereits erwähnt, verkörpern die Hauptdarsteller jeweils perfekt geschriebene Charaktere; es gibt zu keiner Sekunde einseitige Personenentwicklungen; sehr facettenreich
  3. 7/10 Kameraarbeit: es werden ruhige und klare Bilder aufgefangen; geringe Kameradynamik, würde aber auch der Geschichte zu viel Aufmerksamkeit stehlen; dementsprechend ist sie perfekt, ans Drehbuch angepasst; allerdings eben keine wahnsinnigen Besonderheiten
  4. 10/10 Szenenbild: Geschichte spielt fast zu jeder Zeit im Gefängnis; die Kulisse für das Gefängnis ist wahnsinnig realistisch und ästhetisch gestaltet; genau so stellt man es sich vor
  5. 8/10 Kostüm und Make Up: Kleidung ist an die damalige Zeit und Umgebung angepasst; schön ist, dass hier nicht, so wie in vielen anderen Filmen, überstilisiert wurde; es ist dreckig, wenn es nun einmal dreckig ist; es ist alt, wenn man weiß, dass die Klamotten, von nicht nur einer Person getragen wurden; geht harmonisch mit dem Stil des Films einher

9/10 Gesamtwertung

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Der Filmkritiker

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen