Filmkritik: „Shape of Water“

Guillermo del Toro. Eine Ikone unserer Zeit. Ein Mann, der mit seinen jungen 53 Jahren, so viel erreicht hat, von dem manch ein anderer nur träumen kann. Er begeisterte das Publikum bisher mit unter anderem seiner „Der Hobbit“-Trilogie oder den „Blade“- und „Hellboy“-Filmen. Doch immer wieder schafft er es, neben gemütlichen Popcornkino, Filme zu kreieren die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen und mit ihrer visuellen Schönheit so überzeugend sind, dass man den Film immer und immer wieder anschauen möchte um auch sicher zu sein, dass man ihn in seiner gesamten Ästhetik aufgenommen hat.

Gerade Meisterwerke wie „Pans Labyrinth“ aus dem Jahr 2006 und „Crimson Peak“ aus dem Jahr 2015 sind eben solche Filme, bei denen der kalte Schauer über den Rücken läuft. Dies kann und wird einen allerdings nicht davon abhalten, genau zu verfolgen, was sich auf dem Fernseher oder dann der großen Kinoleinwand abspielt.

Ein ähnliches Gefühl hatte ich auch als ich mir „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ (2017) (immer diese dämlichen deutschen Untertitel) angesehen habe. Dabei hat der Film jedoch, wie jeder andere, Licht und Schatten, aber zugegeben sehr viel Licht und sehr wenig Schatten. Hier nun also eine garantiert spoilerfreie Filmkritik.

Der Film spielt in den Anfängen der 60er Jahre, dies sollte man sich im Laufe des Films immer wieder vor Augen führen, dann können gewisse Handlungen und Gedanken verschiedener Artisten und Protagonisten besser nachvollzogen und verstanden werden. Also 60er Jahre. Wir befinden uns in einer Zeit, in der der Kalte Krieg auf alles seinen Schatten wirft.

Die West- und Ost-Mächte stehen in Konflikt miteinander und jeder möchte dem anderen sowohl wissenschaftlich als auch militärisch ein, zwei oder sogar drei Schritte voraus sein. Dabei werden aber keine klassischen Themen, wie dem Vietnam-Krieg oder der Kuba-Krise angesprochen. Viel mehr wird der Zuschauer in die Geschichte einiger Einzelschicksale eingeführt und über weite Strecken des Films auch in den Bann gezogen. Dies sollte aber ein durchaus kluger Schachzug gewesen sein, da man so als Zuschauer bzw. Betrachter sehr schnell einen emotionalen Ankerpunkt findet und sich in die eine oder andere Figur sehr gut hineinversetzen kann.

Eine dieser Figuren ist, die im Film stumme, Elisa Esposito, gespielt von Sally Hawkins (auch bekannt aus bspw. den beiden „Paddington“-Filmen, 2014, 2017). Diesem Charakter ist es nur möglich über Gebärdensprache zu kommunizieren. Ob die Schauspielerin dies nun extra für den Film erlernte oder bereits konnte weiß ich leider nicht. Aber gerade durch diese andere Art der Kommunikation, fällt die Aufmerksamkeit des Zuschauers vor allem auf ihre Mimik und Gestik und sie spielt ihre Rolle sehr überzeugend und liebevoll.

An ihrer Seite finden wir zwei weitere sehr wichtige Schauspieler und zwar Octavia Spencer („Hidden Figures“, 2016) und Richard Jenkins („The Cabin in the Woods“, 2012). Diese beiden spielen ihre Rolle ebenso überzeugend. Richard Jenkins ist dabei eher eine ängstliche Instanz während Octavia Spencer eine starke und selbstbewusste Frau in einer Zeit verkörpert, in der Frauen stark unterdrückt und reduziert wurden. Diese beiden Charaktere begleiten Elisa Esposito durch den Film und geben ihr Ratschläge und unterstützen sie. Sie bilden praktisch ihr „familiäres“ Umfeld.

Der große Antagonist des Films ist der Charakter Strickland, gespielt von Michael Shannon („Man of Steel“, 2013). Dieser hat in diesem Film eine derart einschüchternde Ausstrahlung, sodass ich ihm den übermächtigen, aber auch emotionalen Gegner durchaus abnehme, zumal man schnell erkennt, dass er dennoch verletzlich ist. Dies lässt ihn, trotz der unsympathischen Aura, menschlich und real erscheinen. Nur kann ich, und dies ist einer der Schwachpunkte des Films, sein Handeln oder gar seine „aggressiven“ Züge nicht zu jeder Sekunde voll und ganz nachvollziehen. Wichtig ist: „nicht zu jeder Sekunde“. Denn hierbei spielt nun der zeitgeschichtliche Hintergrund eine wichtige Rolle. Die damalige Zeit in den USA war geprägt durch die Angst vor allem Fremden. So spiegelt er letzten Endes schlicht und ergreifend die damalige Gesellschaft wieder, wenn auch etwas zu extrem für meinen Geschmack.

Das Fremde. Damit gelangen wir zur wichtigsten Figur des Films: das amphibien-artige Wesen aus dem Amazonas. Doug Jones sollte einem del Toro-Fan ein ebenso geläufiger Name sein, wie Guillermo del Toro selbst. Denn er war es, der in „Pan’s Labyrinth“ bspw. das bleiche Monster oder Fauno verkörperte. Genauso beeindruckend war aber auch seine Performance als rotes, ich nenne es mal, Monster/Zombie/Geist/ekliges-Ding-halt, in „Crimson Peak“. In all diesen Rollen brillierte er mit Bravur. Anders kann man seine schauspielerischen Leistungen überhaupt nicht in Worte fassen. Das Surreale wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt und so musste es wohl auch so kommen, dass er und del Toro eine mehr oder weniger gemeinsame Filmkarriere haben werden. Seine jetzige Rolle verkörpert er mit so viel Liebe und so viel Leidenschaft, was wohl auch daran liegen könnte, dass del Toro ihm die Figur vielleicht direkt auf den Leib geschrieben hat. Allerdings dürfen hierbei nicht die Maskenbildner vergessen werden, da diese für Doug Jones ein so wahnsinnig schönes Kostüm geschaffen haben, sodass man als Zuschauer jedes einzelne Glied dieses Körpers genau anschaut, von Kopf bis Fuß. Sehr beeindruckend und sehr „realistisch“.

Die Geschichte selber ist voller fantastischer Ideen und Einfälle, die man so noch nicht einem Film gesehen hat. Dies sollte allerdings jeder selbst für sich herausfinden. Letzten Endes kann man sagen, dass es sich hierbei um eine klassische Underdog-Story handelt, in der der kleine Mann bzw. die kleine Frau dem großen bösen Mann die Stirn bietet. Dabei fließen sehr viele komödiantische Elemente in den Film ein, die einen Ausgleich schaffen zu seinen, bisweilen doch sehr brutalen Szenen (del Toro-typisch).

Kriterien:

  1. 8/10 Drehbuch: sehr ausgeklügelt mit schönen schaurigen und komödiantischen Elementen, teilweise mangelnde Charakterentwicklung
  2. 7/10 Protagonist(en): sehr gute Besetzung der Rollen, meist überzeugende schauspielerische Leistungen (Sally Hawkins und Doug Jones waren hervorragend; Octavia Spencer, Richard Jenkins und Micheal Shannon hatten ihnen auf den Leib geschriebene Rollen, nicht sehr facettenreich und einseitig)
  3. 7/10 Kameraarbeit: sehr schöne Bilder werden aufgefangen, dunkles Gesamtbild an das Thema und den Film angepasst, bedient sich sowohl klassischer Elemente, als auch besonderer (vgl. Unter-Wasser-Szenen); allerdings keine wahnsinnigen Besonderheiten
  4. 7/10 Szenenbild: an die damalige Zeit angepasst, wissenschaftliche Kulissen sind sehr überzeugend und authentisch
  5. 10/10 Kostüm und Make Up: Kleidung und Make Up ist ebenfalls an die damalige Zeit und die Umgebung angepasst: Wissenschaftler tragen Kittel, Putzkräfte tragen Schürzen etc.; besonders muss natürlich das Wesen aus dem Amazonas hervorgehoben werden; so realistisch, sodass man sich denkt: Ja, genau so ein Wesen gibt es wirklich im Amazonas

7,8/10 Gesamtwertung

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Der Filmkritiker

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen