Filmkritik: „Avengers: Infinity War“

Am 26.04.2018 war ich in der Vorstellung vom großen Marvel-Teilzeit-Finale. Ob sich das Kinoticket lohnt erfahrt Ihr hier auf meinem Blog. Ich merke jetzt schon, während ich diese Kritik anfange, wie schwierig es wird, nichts von der Geschichte zu verraten. Genau aus diesem Grund möchte ich heute erstmals auf eine kleine Spoilerwarnung hinweisen, dennoch versuche ich mich im Inhalt soweit wie möglich bedeckt zu halten.

Die Ausgangssituation ist recht klar. Das Geschehen des Films knüpft direkt an „Thor: Ragnarök“ (2017) und später auch an „Black Panther“ (2018) an. Dabei zeigt der Film direkt zu Beginn, welche sehr ernste Richtung er einschlagen wird und diese behält er auch größtenteils bei. Thanos wird seit mittlerweile sechs Jahren im MCU (Marvel Cinematic Universe) angekündigt und Fans und Liebhaber der Filme konnten es vermutlich kaum abwarten den größten Schurken endlich in Aktion sehen zu können.

„Infinity War“ setzte zu Beginn genau an der Stelle ein, an der „Thor 3“ seinen Film enden ließ. Thanos und die Black Order (Thanos‘ Gefolge) greifen das Raumschiff des asgardischen Volks an. Und exakt hier wird dem Zuschauer/der Zuschauerin sofort klar, welcher Look auf einen wartet. Der marvel-typische Humor, dringt stellenweise auf jeden Fall noch durch, verliert sich aber im Laufe unerwarteter, verhältnismäßig brutaler Ereignisse sehr schnell und der Film wird dementsprechend wesentlich düsterer und ernster.

Thanos, der Titan, sucht in diesem Film nach den sechs Infinity-Steinen, die er alle in seinem Gauntlet vereinen möchte. Laut Gamoras (Guardians of the Galaxy) Aussage, braucht er dann nur noch mit dem Finger zu schnippen, um das gesamte Universum nach seinem Belieben zu verändern. Die Avengers sind nach den Ereignissen von „Captain America: Civil War“ (2016) immer noch getrennt. Und es wird auch nicht zwischen allen ein Wiedersehen geben, da sie alle an sehr unterschiedlichen Orten aufeinander treffen, um gegen Thanos oder seine Armee zu kämpfen und die Erde und andere Planeten zu verteidigen.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht zum Inhalt verraten, da es sich sonst nicht vermeiden lässt weiter zu spoilern.

Ab hier also eine spoilerfreie Filmkritik zum Film:

POSITIV aufgefallen sind mir, nun ja, tatsächlich nicht viele Dinge. Das einzige, was ich mit Sicherheit sagen und behaupten kann, ist, dass der Film auf jeden Fall seine Überraschungen mit sich bringt. Nur sehr wenige Erwartungen, die sich aufgrund der Trailer entwickelt haben, werden im Film tatsächlich bestätigt. Dies ist auch zunächst etwas Gutes und es macht auch nochmal Lust auf mehr. Gerade das Ende bleibt einem dann doch im Kopf, da es mit einer wahnsinnigen Bildgewalt punkten kann. Allerdings muss Marvel aufpassen, wie lange sie diese Schiene noch fahren wollen und vor allem können. Ansonsten muss der Look des Films sehr stark hervorgehoben werden. Es wurde nur mit IMAX-Kameras gedreht und diesen hochwertigen Stil sieht man dem Film auch an, abgesehen von einigen Visual Effects. Aber vor allem das Szenenbild und die Kulisse ist gigantisch und auch nicht alle Effekte sehen schlecht aus. Die Anzüge und Kleidungen der einzelnen Superhelden wurden auch zu 99% sehr hochwertig designed. Man erkennt klar die Liebe zum Detail, mit einer einzigen Ausnahme.

Ja, und das wars auch schon. Wer den Film noch nicht gesehen hat, ich werde zwar nichts story-technisches spoilern, aber von der Kameraarbeit und vor allem von den Charakteren werde ich nun einiges offenbaren und damit muss ich leider vor allem das Drehbuch anprangern. Aber wie gesagt, es werden keine essentiellen Themen angesprochen.

NEGATIV ist tatsächlich so einiges in diesem Film. Zunächst einmal fällt sehr schnell auf, dass die Geschichte eine wahnsinnig wirre Erzählstruktur hat und man als Zuschauer, selbst als alteingesessener Marvel-Gucker, leicht den Überblick verlieren kann. Das liegt zum Einen daran, dass man sehr schnell mit sehr vielen Charakteren und verschiedenen Schauplätzen konfrontiert wird. Auch wenn man alle Superhelden noch aus den Vorfilmen kennt, sollte dennoch darauf geachtet werden, dass man sich Film für Film erneut mit der einen oder anderen Hauptperson identifizieren kann. Hier fallen aber einige Charaktere gänzlich weg, das liegt zum einem an der geringen Screentime. Andere werden aber auch nicht sonderlich gut in die Geschichte etabliert, um im Anschluss tragende Rollen für den Film spielen zu können.

Die Konzentration liegt deshalb nur auf wenigen Avengers, wie bspw. Iron Man, Doctor Strange, Thor, Hulk, Spider-Man und den Guardians of the Galaxy. Diese haben auch meist eine starke Präsenz, schauspielerisches Können ist also auf jeden Fall vorhanden, aber wirklicher Tiefgang fehlt leider.

Das bedeutet, dass man zwar bestimmt den einen oder andere Lieblingscharakter hat, der unter Umständen auch vorkommt, aber nicht ausführlich genug in Szene gesetzt wurde und sich ebenso nicht mit ihrem/seinem Schauspiel profellieren kann. Und das ist das größte Problem des Films. Wenn du keine emotionale Bindung zu den Protagonisten schaffst, ist es dem Zuschauer schließlich auch egal, was mit den Charakteren passiert und es passiert so einiges. Daher fühlt man keine besonderen Emotionen, da Szenen sehr schnell „abgefrühstückt“ werden und das ist wahnsinnig schade.

Vor allem der Grund, warum Thanos das tut, was er tut ist für mich nicht wirklich nachvollziehbar. Marvel hätte in diesem Film endlich die Chance gehabt, einen, zur Abwechslung mal, facettenreichen und undurchschaubaren Antagonisten zu präsentieren, der nicht wie jeder andere, einfach nur töten, töten und, ach ja, töten will. Aber seine Beweggründe sind absolut unverständlich und da ist das Mitfiebern auch schon vorbei.

Ich weis nicht, ob man sagen könnte, dass der Film zumindest das Potenzial zu einem einzigartigen Superhelden-Klassiker gehabt hätte. Immerhin wurde er von seinen bisherigen Zuschauern schon auf Platz 10 der IMDb-Liste (Internet-Movie-Database) befördert mit einem aktuellen Rating von 9.2 von 10. Einzigartig. Der Film ist auf jeden Fall ein Unikum, allerdings muss das noch lange nicht positive Auswirkungen auf das Seherlebnis haben.

Und gerade das Anschauen ist teilweise sehr anstrengend. Für mich ist nämlich keine klare Erzählstruktur ersichtlich und es gibt viele sprungartige Cuts. Diese erschweren es wahnsinnig dem roten Faden zu folgen, sofern dieser überhaupt vorhanden ist.

Es gibt, vor allem am Ende, einschneidende und alles-verändernde Ereignisse. Diese wurden zwar bildgewaltig in Szene gesetzt, haben aber einen unglaublich langweiligen und unbedeutenden Nachgeschmack was den Inhalt angeht, sodass man zwar für den Moment wahnsinnig überrascht ist, dieses Gefühl geht aber genau so schnell, wie es kam. Das liegt aber auch ganz einfach daran, dass es zu viele Vorkommnisse gibt und man weis nicht, was nun wichtiger war und was nicht. Dadurch wirken Verluste oft wahnsinnig trivial und das hätte dem Film durchaus selbst das Leben kosten können.

Somit fällt es mir wirklich schwer eine positive Kritik zu schreiben. Dennoch hoffe ich, Ihr fühlt euch gut informiert. Der Film hat, wie jeder andere, seine Stärken und Schwächen. Nur eben leider nicht all zu viele Stärken und dafür einige Schwächen. Obwohl man im Laufe der letzten Jahre, als Fan, bestimmt viele Avengers ins Herz geschlossen hat, werden hier so gut wie alle nur sehr schwach in Szene gesetzt und das schadet diesem vorzeitigen Finale enorm. Der Plot ist absolut nicht vorhersehbar, aber das was passiert wirft sehr, sehr, sehr viele Fragen auf, z. B wie genau das Drehbuch eigentlich durchdacht wurde. In einem Film-Franchise oder sogar einem filmischen Universum muss zwar jeder Film für sich gewertet werden, aber eben zusätzlich auch im Kontext aller Bisherigen. Und da weder der Film an sich, noch die thematische Einbindung in das Marvel Cinematic Universe wirklich plausibel und einleuchtend sind, geht man dann mit einem seltsamen bis doch eher schlechten Gefühl aus dem Kino.

Kriterien:

  1. 4/10 Drehbuch: sehr chaotisch und wirr; keine klare Erzählstruktur; wirft am Ende wahnsinnig viele Fragen auf, die einen unangenehmen Nachgeschmack von „Das soll also das große Finale gewesen sein?“ hinterlassen; kein eigenständiger Film, sondern zweiteilig, war anders angekündigt; ABER: unerwartete Wendungen und unerwarteter Plot, behält sich also Überraschungen vor
  2. 3/10 Protagonisten: wie bereits in der Review erwähnt, weniger als die Hälfte der Schauspieler sind überwiegend gut in Szene gesetzt; einige hätten zumindest das Potenzial dazu; anderen fehlt gänzlich eine, für den Zuschauer, bedeutende Beteiligung am Geschehen
  3. 7/10 Kameraarbeit: IMAX-Kameras sorgen für sehr hochwertigen Stil; teilweise aber viel zu hektischer Schnitt
  4. 7/10 Szenenbild: die meisten Orte und Schauplätze sind sehr filigran und detailliert gestaltet; hier gibt es aber auch Ausreißer, bei denen das CGI nicht so gut war, wie es hätte sein können
  5. 7/10 Kostüm, Make Up, Visual Effects: überwiegend sehr gut; gibt aber eine eher negative, aber sehr wichtige Ausnahme

5,6/10 Gesamtwertung

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