Sacha Baron Cohen ist ein Typ/Mensch, wie kein anderer. Manche sehen den Großteil seiner Filmografie als reinen Trash an, wieder andere können mehr als nur über seine Gags schmunzeln. Mit „Da Ali G Show“ konnte er im Jahr 2000 erstmals seinen großen Durchbruch feiern. Eine Show, in welcher so ikonische Rollen, wie „Ali G“, „Borat“ oder „Brüno“ etabliert wurden. 2006 kam dann einer seiner ersten Kinofilme heraus, der sowohl Kritiker, als auch die Zuschauer überzeugen konnte: „Borat“. Gleichzeitig legte dieser Film den Grundstein für seine satirische und häufig auch unter der Gürtellinie stattfindende Filmografie, in die sich so bekannte Filme, wie „Brüno“ (2009), „Der Diktator“ (2012) oder „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“ (2016) einreihen, wobei letzterer nicht unbedingt aus der komödiantischen Feder seiner selbst stammte. Denn in den meisten seiner Trashkomödien ist er nicht nur Hauptdarsteller, sondern auch Produzent und Drehbuchautor. Dies führt natürlich dazu, dass ihm der Großteil seiner Rollen, auf seinen humoristischen Leib geschrieben sind.
Der Comedy-Klassiker, um den es heute gehen soll trägt, wie bereits genannt, den Titel: „Brüno“. Der im Jahr 2009 erschienene Film ist aufgebaut, wie eine Art Dokumentarfilm und gewährt dem Zuschauer einen tieferen Einblick in das Leben des fiktiven schwulen österreichischen C- oder vielleicht sogar D-Promis: Brüno. Wobei er anfangs ein relativ erfolgreicher Moderator der us-amerikanischen Modesendung Funkyzeit war. Für diese sollte er auf der Mailänder Modemesse moderieren und berichterstatten. Nachdem er aber aufgrund unglücklicher Ereignisse von diesem Fernsehformat gefeuert wird, beschließt er sich selbstständig zu machen und rennt von einer Fernsehidee zur nächsten. Doch seien es die versuchten Friedensverhandlungen im nahen Osten oder der Versuch ein Sexvideo mit Ex-Präsidentschaftskandidat Ron Paul zu drehen, nichts dergleichen soll ihm zu Ruhm verhelfen.
Nach weiteren Misserfolgen denkt er erst einmal über sein Leben nach und versucht zu ergründen, warum er keinen Erfolg hat. Er denkt an Prominente, wie Tom Cruise, John Travolta und auch Kevin Spacey und stellt fest, dass all diese Erfolgsikonen heterosexuell sind (Anspielung darauf, dass damals bereits Gerüchte umher gingen, dass der eine oder andere homosexuell sein könnte).
Deshalb beschließt er straight zu werden und schlägt dafür die verrücktesten Wege ein: vom Swingerclub bis zur Grundausbildung beim Militär, er lässt nichts unversucht. Als er aber im Laufe der Geschichte wieder auf seine erste große Liebe trifft, von der er dachte, sie verloren zu haben gerät er selbst in ein Wellenbad der Gefühle und muss herausfinden, wer er wirklich ist.
Immer wieder kann man von Filmen sprechen, die so schlecht sind, dass sie schon wieder amüsieren. Und in keinem Genre werden derartige Filme so oft und doch so selten produziert, wie im Trash. Häufig bedeutet das, dass hier, verglichen mit allen anderen Genres, besonders schlechte Filme zu finden sind. Aber innerhalb dieser Filmgattung gibt es genug Filme, die wirklich einfach nur schlecht sind, weil ihnen der amüsante Trash-Faktor fehlt. So kann man sich aber immer wieder freuen, wenn es einer schafft, sowohl Kritiker, als auch Zuschauer zu überzeugen, wobei ersteres nicht immer notwendig sein muss, schließlich wissen die Zuschauer im besten Falle, dass es sich hierbei um einen nicht all zu bis gar nicht ernstzunehmenden Film handelt. Und solch einen werden ich heute analysieren in einer weiteren spoilerfreien Filmrkitik.
„Brüno“ ist ein Film, der sich eindeutig in die guten schlechten Film einordnen lässt. Jedoch ist es tatsächlich fragwürdig ob bei einem Budget von rund 42 Millionen $ gerade bei der Kameraarbeit nicht mehr hätte herausgeholt werden können, da diese wirklich komplett misslungen ist. Andererseits macht dieser Found-Footage-Look auch den Scharm des Films aus, sodass man vermuten kann, dass das meiste Geld in die Cameo-Auftritte vieler Prominente, wie Snoop Dogg oder Sting geflossen ist. Doch machen diese den Film hochwertiger?
Nein. Was den Film von Anfang bis Ende trägt ist das Charisma von Sacha Baron Cohen („Der Spion und sein Bruder“, 2016), der hier eine einzige One-Man-Show abliefert. Dabei präsentiert er, sein breitgefächertes politisches Wissen und weis meist, die richtige Portion Humor einzusetzen. Meist. Tatsächlich scheint der Mann inzwischen schon ein lebende Legende zu sein, mit all seinen Impressions und Parodien, die er sowohl von Prominenten, als auch klassischen Stereotypen abliefert. Doch betritt er dabei häufig einen sehr schmalen Grad zwischen Satire und Rassismus. „Provokation“ ist das Stichwort. Auch in diesem Film wird mehr als nur einmal provoziert. Ob er nun an einem Selbstverteidigungskurs mit zwei Dildos teilnimmt, um sich in Zukunft vor Schwulen zu schützen oder in den Swingerclub geht um herauszufinden, wie es ist mit einer Frau Sex zu haben. Homophobie, ein abwertendes Frauenbild und ein afrikanisches Baby, dass zeigen soll, dass er weltoffen und tolerant ist, sonst hätte er ja besagtes afrikanisches Baby nicht adoptiert. All das sind Themen, die dieser Film anschneidet. Mal mehr oder weniger geschmackvoll. So kann man Cohens schauspielerische Leistung sehr oft bewundern, aber manchmal auch in Frage stellen, ob in diesem Fall Satire alles darf.
Um ein Fazit zu ziehen: der Film ist letzten Endes ein Werk, dessen Gag-Dichte für den einen oder anderen nur schwer auszuhalten ist. Er hat außerdem eine wirre Erzählstruktur und öffnet wahnsinnig viele Nebenschauplätze, sodass ein Gewohnheitsgucker von Blockbuster-Komödien nicht unbedingt auf seine Kosten kommen wird. Dennoch, und das ist der Grund weshalb ich über diesen Film eine Kritik schreibe, es ist absoluter Klassiker geworden. Ein Klassiker, der fragwürdige Themen aufgreift und es letzten Endes auf jeden Fall bewerkstelligt, dass man sich über die einen oder anderen diskriminierenden Umstände auf dieser Welt mehr Gedanken macht, als üblich.
PS: Ein dringender Rat meinerseits wäre, den Film unter allen Umständen im Originalton anzuschauen, da zum einem, andere Sprachen eine wichtige Rolle spielen und weil die deutsche Synchronisation eine einzige Katastrophe ist (was allerdings den Trash-Faktor nochmal erheblich steigert).
Kriterien:
- 7/10 Drehbuch: auf der einen Seite spürt man immer wieder Sacha Baron Cohens Genialität, andererseits fragt man sich ebenso regelmäßig: ist das noch Satire oder schon rassistisch oder beides?; aber alles in allem eine sehr interessante Geschichte mit einem tatsächlich interessant geschriebenen „Brüno“; nur hin und wieder hat der Film trotz der kurzen Spielzeit von 1h 22min seine kurzen Längen; letztlich ist es aber die verrückte Absurdität und die gelegentlichen Denkanstöße mit welchen der Film punkten kann
- 9/10 Protagonist/en: Sacha Baron Cohen liefert in diesem Film zwar eine grandiose Leistung ab, sodass einzig und allein die fragwürdige moralische Komponente übrig bleibt; erinnert stellenweise schon an Method-Acting
- 5/10 Kameraarbeit: die Kameraarbeit ist wirklich nichts besonderes, so fühlt sich der Film wie eine absolute Low-Budget-Produktion an, aber wie bereits erwähnt soll das auch genau so sein (Trash)
- 3/10 Szenenbild: die Kulisse lässt tatsächlich keine nennenswerten Erwähnungen zu; praktisch gehalten; manchmal sogar recht billig (Trash)
- 8/10 Kostüm, Make up, Visual Effects: das Kostüm, die Kleidung und das Make up konnten tatsächlich ziemlich überzeugen; vor allem die Darstellung von Brüno selbst ist derart witzig und abstrus: sein Kleidungsstil oder sein geschminktes Gesicht sorgten dann doch für den einen oder anderen Lacher
6,4/10 Gesamtwertung


Ein Kommentar zu “Filmkritik: „Brüno“”
J’adore ton design nouveau