Filmkritik: „Paranormal Activity“

Nicht unbekannt sind und auch nicht selten vergisst man die Filme, die sich an den größten Klischees der Filmgeschichte bedienen. In diese Kategorie fallen vor allem zwei ganz bestimmte Genres: die Komödie oder aber der Horrorfilm. Im Laufe der Zeit haben die Filmemacher verstanden was nun mal lustig ist oder einen eher ängstigt. Müsste man zumindest meinen. Leider, gerade im 21. Jahrhundert, bekommen wir von Hollywood immer wieder Filme präsentiert, die es so in dieser Weise schon hunderte Male gibt oder aber die Geschichte ist so klischeebelastet, sodass man den Film genau so schnell vergisst, wie man ihn gerade eben noch angeschaut hat. Gerade hier geht es nun einmal stark darum eine gewisse Emotionalität beim Zuschauer hervorzurufen, sei es nun Freude oder eben Angst. Doch wie schafft man Angst, wenn man eigentlich weis, dass es sich bei all dem Geschehen nur um einen Film handelt?

Um Schrecken zu erzeugen gehen Horrorfilme immer sehr unterschiedliche Wege. Gerade wenn die Geschichte von übernatürlichen oder eben paranormalen Geschehnissen handelt, muss der Filmemacher natürlich aufpassen, dass dadurch nicht die emotionale Bindung zu den Protagonisten verloren geht. Eine Möglichkeit wäre, den Zuschauer direkt ins Geschehen mit einzubinden. Er schaut dann eben nicht mehr nur zu, sondern muss zwangsläufig gedanklich am Geschehen teilnehmen und genau das versucht der Found-Footage-Stil. Das bedeutet, dass alles was man sieht von einer Person gefilmt wird, die selbst Teil der Geschichte ist. Das kann auf Dauer anstrengend sein, aber auch gezielt als ein filmisches Stilmittel angewandt werden. Der Klassiker „Paranormal Activity“ (2007) schließt sich genau diesem Horrorgenre an und schlug, wie man weis, damals große Wellen. Ob ihm nun die Umsetzung dieses Filmstils tatsächlich gelungen ist oder nicht erfahrt Ihr hier in meiner neuen garantiert spoilerfreien Filmkritik.

„Paranormal Activity“ ist ein Film wie kein Zweiter. Das Budget dieses Klassikers betrug gerade einmal 15.000 $. Es war nichts anderes als ein Projekt von einigen Hobbyfilmemachern. Aber bei einem kleinen Projekt ist es bei weitem nicht geblieben. Mit einem Box Office von ungefähr 193.400.000 $ gehört er zu den verhältnismäßig erfolgreichsten Horrorfilmen der Filmgeschichte. Aber wie kann ein Film, dessen banale Machart kaum in Wort zu fassen ist, mehr als das 10.000fache seiner Kosten wieder einspielen?

Die Antwort ist so einfach, wie simpel: Atmosphäre. Die Geschichte lässt nämlich wirklich keine besonderen Erwähnungen zu. Es handelt sich um ein junges Pärchen, dass endlich zusammen in ein neues Haus zieht (Haunted-House-Faktor wird also bereits erfüllt). Doch, wie sollte es anders sein, werden sie bald von unerklärlichen Geschehnissen und gruseligen Geräuschen nachts wachgehalten und können nicht mehr schlafen. Und die unerklärlichen Gegebenheiten häufen sich: Gegenstände sind nicht mehr da, wo sie üblicherweise stehen, Decken ziehen sich nachts selbst vom Bett herunter und als wäre das nicht genug, fängt die Freundin des jungen Mannes auf einmal mit dem Schlafwandeln an und stellt sich gelegentlich ohne sich auch nur einmal von der Stelle zu bewegen neben ihren Freund und beobachtet ihn mehrere Stunden (siehe Vorschaubild). Dank einer Videokamera die der Freund ursprünglich für einen ganz anderen Zweck im Schlafzimmer installierte (Cringe-Moment), sehen sie, das mit der Freundin etwas nicht stimmt. Der Frau ist das vorab auch sehr unangenehm, weil sie verständlicher Weise nicht möchte, das ihr gesamtes Privatleben auf Video festgehalten wird, aber dann hätte sie sich wohl einen anderen Film aussuchen müssen. Aber gerade in Szenen, in den Sex thematisiert wird, kommt einen der Mann doch relativ pervers und unreif vor, sodass man sich als Zuschauer nur die Hand an die Stirn klatscht. So ist die Story definitiv nicht der Faktor, der diesen Film tragen kann. Natürlich häufen sich aber nun die paranormalen Aktivitäten und das Pärchen verliert langsam aber sicher ihren Verstand.

Ich persönliche habe mir diesen Film mit einer sehr geringen Erwartungshaltung angeschaut und das ist meiner Meinung nach auch notwendig, aber dann kann man diesen Film tatsächlich genießen, was mich doch mehr als überraschte. Es gibt außerdem einige Funfacts über diesen Film: die Protagonisten Micah Sloat und Katie Featherston sind nicht nur die Schauspieler des Pärchens, sondern tragen auch im realen Leben die selben Namen. So sollte wahrscheinlich der Realitätsbezug nochmal hervorgehoben werden. Die Grundthematik und die Intention des Regisseurs und Drehbuchautors Oren Peli ist ebenso banal, wie genial: was wäre wenn wir uns beim Schlafen, also in unserer verletzlichsten Situation, filmen würden. „If something is lurking in your home there’s not much you can do about it!“, so Oren Peli und damit hat er auch recht. Er möchte hier mit den Ängsten der Zuschauer spielen und sie filmisch in eine Situation befördern, aus der es scheinbar keinen Ausweg gibt und meistens gelingt ihm das tatsächlich auch. Der Film ist letzten Endes eine Homage an sehr viele Horrorklassiker, wie „A Nightmare on Elm Street“ (1984) oder sogar „Frankenstein“ (1931). Filme, in denen nicht wahnsinnig viel Wert auf eine gute Story gelegt wurde, sondern stets die Frage im Vordergrund stand: „Was wäre wenn …?“ Und das weis „Paranormal Activity“ gekonnt umzusetzen. Selbst die Kulisse und das Szenenbild (also das Haus an sich) wurde bedacht ausgesucht. Es bietet zahlreiche Möglichkeiten für gute Kameraeinstellungen und fügt sich so perfekt in das Filmgeschehen ein. Das einzige große Manko, was diesem Horrorklassiker bleibt, sind die unfassbar klischeehaften und sinnbefreiten Dialoge, die durch die deutsche Synchronisation alles andere als besser werden. Grundsätzlich ist Deutschland zwar Vorreiter der Synchro, aber wie diese hier verschludert wurde hat man selten erlebt. Ist allerdings auch nichts unbekanntes bei Low-Budget-Filmen dieser Art. Also meine Empfehlung: Originalton.

Was bleibt nun also übrig? Der Film kann nun einmal nicht mit seinem schauspielerischen Talenten punkten, dafür aber mit Atmosphäre, die einem immer wieder einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt. Allein die Momente, in denen sich eine Tür von ganz alleine in Bewegung setzt sind so kreativ und doch banal inszeniert, dass klar erkennbar ist, dass der Regisseur sein Handwerk voll und ganz versteht. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Film zu einem der bekanntesten Horrorklassikern wurde.

Kriterien:

  1. 4/10 Drehbuch: es ist keine rasante oder durchgeklügelte Geschichte, die man so noch nie gesehen hat; aber das ist in diesem Fall auch nicht notwendig; der Film weis was er ist und versucht auch nichts anderes zu sein; dennoch schafft er es durch gezielte Jump-Scares immer wieder den einen oder anderen Überraschungsmoment gut in Szene zusetzen
  2. 3/10 Protagonisten: das Schauspiel ist nun wirklich kein Meisterwerk; allerdings fordert der Plot auch kein sonderlich hohes schauspielerisches Talent, dennoch hätte daran zumindest etwas gefeilt werden können, da sich der Film ernster nimmt, als er vielleicht in manchen Momenten ist
  3. 6/10 Kameraarbeit: die Kameraführung ist natürlich etwas ganz besonderes in diesem Film; oft kopiert und selten erreicht ist „Paranormal Activity“ der Vorreiter für den Found-Footage-Stil, von diesem kann jeder Filmegucker halten was er möchte und sehr häufig ist auch sehr schlecht umgesetzt, aber dieser Film macht dabei eigentlich alles richtig; ABER: hochwertig ist die Kameraarbeit deshalb noch lange nicht
  4. 8/10 Szenenbild: die Kulisse des Films ist tatsächlich sehr lobenswert; viele Ecken und Winkel werfen nachts relativ unheimliche Schatten, sodass einem schon mal ein kalter Schauer über den Rücken läuft; das Haus bietet viele kreative Möglichkeiten für gute Kameraeinstellungen; hier möchte ich auch das Screenplay mit hineinnehmen: die Inszenierung der paranormalen Aktivitäten sind allesamt überzeugend und tatsächlich gruselig gestaltet
  5. 6/10 Kostüm, Make up, Visual Effects: was dem Film hoch anzurechnen ist, ist dass er ausschließlich auf praktische Effekte setzt, das bedeutet, dass sich bei allen paranormalen Vorkommnissen jemand überlegt hat, wie man das tatsächlich vor laufender Kamera filmen könnte (davon könnte sich heutzutage, der eine oder andere CGI-überladene Film eine Scheibe abschneiden)

5,4/10 Gesamtwertung

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