Filmkritik: „Aquaman“

Das DC Extended Universe hatte es die letzten Jahre wahrlich nicht gerade einfach. Blockbuster wie „Batman v Superman“ (2016) oder „Suicide Squad“ (2016) konnten weder Kritiker noch einen Großteil der Zuschauer überzeugen und „Justice League“ (2017) litt an fürchterlichen Computereffekten und einer Geschichte mit unzähligen Plot Holes und schlecht geschriebenen Dialogen.

Grundsätzlich sollte sich jeder Drehbuchautor jederzeit bewusst sein, dass er kein Comic oder gar ein Buch schreibt, sondern ein dialogförmiges Skript. Ein Film genießt nämlich den Luxus, dass er meist eine nicht all zu lange Exposition braucht. Visuelle Charaktereigenschaften oder eben auch der Habitus der Protagonisten oder Nebendarsteller werden durch ihr Schauspiel erklärt und es Bedarf i.d.R. keiner weiteren Erklärung. So sahen wir bspw. in „Batman v Superman“ (2016) relativ viel Exposition und einige gar nervtötende selbsterklärende Dialoge. Auch der Film „Justice League“ kam um dieses DC-Klischee nicht herum, so musste bspw. Batman Arthur Curry erklären, dass er der Aquaman ist, obwohl dieser es natürlich bereits weiß, weil … er ist es schließlich der Aquaman. Derartiges wird gemacht, damit es der Zuschauer versteht. Allerdings gibt es dafür wesentlich elegantere Lösungen. Es ist ein Film: zeigen, nicht erklären.

„Aquaman“, inszeniert von James Wan, startete Ende des Jahres 2018 in den deutschen Kinos und ist der inzwischen sechste Film des DC Filmfranchises. Nach ihrem letzten Film aus dem Jahr 2017, hat sich Warner Bros. mit ihrem Superheldenuniversum erst einmal Zeit gelassen um einen vermeintlich guten Film zu produzieren. Und ob „Aquaman“ dies geworden ist, erfahrt ihr in einer brandneuen und garantiert spoilerfreien Filmkritik.

Gleich zu Beginn wird klar, das James Wan („The Conjuring – Die Heimsuchung“, 2013) keinen großen Wert darauf legt, auf die Geschichten der vorhergehenden Filme groß einzugehen. Und das war eine gute Entscheidung. Es war langsam an der Zeit, dass sich DC darum bemüht, ihre einzelnen Superhelden in ihr noch junges Universum zu etablieren. Zu früh gab es Cross-Over-Filme, wie „Suicide Squad“, bei denen man sich einfach schwer tat auch nur ansatzweise Empathie oder gar Verständnis für die Taten der viel zu vielen Akteure und Nebenakteure aufzubringen.

Die relativ facettenreiche Handlung lässt sich dennoch leicht zusammenfassen. Aquaman ist der Sohn eines Mannes von der sog. Oberwelt, kurz ein Mensch und der Königin der Atlanter namens Atlanna, welche durch ein Zufall auf seinen Vater traf. Zusammen zeugen sie verbotener Weise besagtes Kind: Arthur Curry, der Aquaman. Als Bastard abgestempelt, möchte Atlantis nichts mit ihm zu tun haben, obwohl er als Kind der Königin einen Anspruch auf den Tron hätte. Nach seiner heimlichen Ausbildung zum Krieger, durch den Bruder seiner Mutter, begibt sich Aquaman auf eine Reise voller Gefahren um herauszufinden, wer er wirklich ist und welche Fähigkeiten in ihm schlummern.

Ein Film eines Filmfranchises hat es meist von Anfang an nicht sonderlich leicht, da er natürlich mit allen vorhergehenden Filmen verglichen wird und auch für den Zuschauer immer ins große ganze passen muss. Diesbezüglich gab es bei Warner Bros. die letzten Jahre massive Probleme, da sich jeder einzelne DC-Film eigenständig anfühlt und jeweils eine ganz andere Tonalität an den Tag legt. Der Film „Wonder Woman“ aus dem Jahr 2017 war diesbezüglich der erste Film, der relativ überzeugen konnte und mit einem guten Cast und einer charmanten Gal Gadot ein abenteuerliches Seherlebnis war. Allerdings spielte dieser Film vor allem an Land. So war es wohl um einiges leichter, die entsprechenden Computereffekte herzustellen und das CGI (Computer Generated Imagery) comichaft realistisch aussehen zu lassen. „Aquaman“ hat aber eine Geschichte, die über weite Teile unter Wasser ihren Lauf nimmt, so hatten viele im Vorfeld große Angst, dass der Film in einem einzigen CGI-Massaker enden könnte. Und das ist auch der Fall, aber … das CGI sieht, wieder Erwarten, wahnsinnig gut und überzeugend aus.

So sehr vorhergehende Filme an schlechten Effekten gelitten haben, weshalb verständlicherweise die Skepsis sehr groß war, desto schöner und aufregender sind sie in diesem Film anzusehen. Denn hier wurde wirklich auf so gut wie alles geachtet. Zum Einen muss man die Oberwelt mit der Unterwelt vergleichen. An Land sind natürlich nicht so viele Effekte von Nöten, außer der eine oder andere Greenscreen, aber in Verbindung mit Wasser, ist das eine ganz andere Sache. Gerade in den Anfängen der Entwicklung von CGI war das Darstellen von Wasser mit Abstand am schwierigsten. Das lag daran, dass man damals theoretisch jeden einzelnen Wassertropfen hätte programmieren müssen, doch stattdessen, sahen Flüssigkeiten, wie dicke glibberige Massen/Substanzen aus. Doch „Aquaman“ setzt hier ganz neue Maßstäbe. Ganz besonders gefallen die, sich im Wasser bewegenden, Haare der Schauspieler. Da hat das Effekt-Team des Films starke Arbeit geleistet. Nur in sehr wenigen Kampfsequenzen erinnern die Effekte an Computerspiele. Lediglich im bildgewaltigen und von Greenscreen nur so strotzenden finalen Act und Kampf war es zu viel des Guten. 

Seltsamer Weise nimmt man aber diese Masse an Visual Effects als nicht all zu störend wahr. Das liegt vor allem an dem Charme und Humor, welche dieser Film an vielen Stellen versprüht. Ein Problem der bisherigen DC-Filme war, dass sie sich sehr ernst genommen haben und dadurch die wenigen Witzeinlagen nicht zünden konnten oder sich einfach fehl am Platz anfühlten.

In diesem Fall wird allerdings die ganze Geschichte mit einem gewissen Augenzwinkern erzählt, wodurch es dem Film gelingt eine gute Abwechslung zwischen Dialog, Pausen und Action zu schaffen um den Zuschauer zu jeder Zeit zu unterhalten, aber ihm gleichzeitig kurze Verschnaufpausen zu gewähren. Die Geschichte selbst ist dabei sehr gelungen und vielschichtig und schafft es auch noch kleine Nebenschauplätze zu öffnen für mögliche Fortsetzungen. Wer allerdings eine tiefgründige Origin-Story á la „Batman Begins“ (2005) erwartet der wird eher enttäuscht sein. Aber tiefgründig möchte dieser Film auch gar nicht sein. Er will unterhalten und das schafft er zu jeder Zeit. Dabei hat der Film derart verrückte Ideen: von schlagzeugspielenden Riesenoktupussen, über nette Easter Eggs bezüglich James Wans „Conjuring“-Universum, bis zu vielen fantastischen Kamerafahrten und Plansequenzen und teilweise genial geplanten Cuts und Übergängen zwischen verschiedenen Szenen.
Denn gerade die Filmarbeit war eine sehr angenehme Abwechslung. Zum Erstaunen der Zuschauer, wurde gerade in Kampfsequenzen häufig einfach „draufgehalten“, sodass Brutalität oder gar Blut nicht versteckt wurde. Deshalb hätte man in gelegentlichen Momenten das FSK 12 in Frage stellen können. Allerdings spielen bei der Altersfreigabe natürlich auch der gesamte Look und die Tonalität des Films eine Rolle und der ist nun einmal abenteuerlich, motivierend aber eben mit einigen relativ blutigen Szenen und sogar gezielt und geschmackvoll eingesetzten Horrormomenten gespickt, die natürlich auf die Handschrift James Wans zurückzuführen sind.

Jason Momoa („Game of Thrones“, seit 2011) ist für Aquaman wohl das, was Gal Gadot für Wonder Woman ist: die perfekte Besetzung. Sein tolles Charisma, seine körperliche Physis und der gesamte Style passen perfekt zu der eher abgefuckten Version des Meereshelden. Er ist eine echte Kante, sodass gerade der anfängliche Antagonist des Films eher schmächtig erscheint. Aber vor allem seine schauspielerische Leistung konnte neben allen anderen am meisten überzeugen. Er schafft es den gewissen Zwiespalt Aquamans darzustellen, da er zum Einen ein Sohn des Landes aber auch des Wassers ist. Bei all dem Selbstbewusstsein und dem muskelbepackten Körper ist er dennoch verletzlich und sensibel und versucht einfach nur seinen Platz in dieser Welt zu finden. Dies führt dazu, dass er ein sehr nahbaren Charakter hat und es einem leicht fällt sich mit ihm zu identifizieren.

An Momoas Seite finden wir viele bekannte Nebendarsteller, wie bspw. Amber Heard („Justice League“, 2017). Sie spielt Mera, den potentiellen Love-Interest für Arthur Curry. Sie hat zwar eine relativ einseitige Rolle, eine starke und selbstbewusste junge Frau, die ein Ziel so lange verfolgt bis sie es erreicht, aber diese verkörpert sie mit viel Hingabe und Liebe zu ihrem Charakter.
Des Weiteren spielt Nicole Kidman („Die Dolmetscherin“, 2005) die Mutter von Aquaman. Auch sie wird als heroische und starke Figur etabliert, deren Motive für ihr Handeln sehr nachvollziehbar sind und auch wunderbar von ihr als Schauspielerin in Szene gesetzt werden.
Der Antagonist, der Ocean-Master, wird gespielt von Patrick Wilson („The Conjuring – Die Heimsuchung“, 2013). Seit langer Zeit hat DC mit ihm mal wieder einen relativ gut gelungen Bösewicht geschaffen, dessen Beweggründe einigermaßen nachvollziehbar erklärt werden. Zwar ist er anfangs auch einfach nur böse, damit es eben einen Bösewicht im Film gibt, nur eben mit verständlichen Absichten. Doch gerade seine Charakterentwicklung macht Lust auf mehr und man darf gespannt sein, welche Rolle er in möglichen Sequels einnehmen wird.

Neben diesen Charakteren gibt es noch zwei weitere, die sehr wichtige und tragende Rollen für den Film einnehmen. Um welche es sich hierbei aber handelt soll jeder selbst herausfinden.

Kriterien:

  1. 7/10 Drehbuch: „Aquaman“ ist zwar eine Geschichte, die man so in verschiedensten Formen bereits einige Male gesehen hat, dabei weis sie aber durch kreative Einfälle, das gewisse Andersartige innerhalb einer gewöhnlichen Rahmenhandlung positiv auszustrahlen
  2. 8/10 Protagonist/en: starke schauspielerische Leistungen; tolle Physis der Akteure; nachvollziehbare Gründe (gegeben durchs Drehbuch) untermalen das gekonnt umgesetzte Handeln der Schauspieler
  3. 9/10 Kameraarbeit: tolle Plansequenzen mit sehr langen Kamerafahrten, einer tollen Kameraführung, die stellenweise sogar an die, aus Horrorfilmen erinnert (James Wans Handschrift) 
  4. 8/10 Szenenbild: tolle Landschaftsaufnahmen rund um den Erdball: von der Sahara bis in die Tiefen der Ozeane (wenn auch animiert)
  5. 8/10 Kostüm, Make up, Visual Effects: wider Erwarten sehr gut geworden, mit sehr wenigen Ausnahmen; Kostüme der Meeresbewohner sind, bis auf wenige Ausnahmen, wunderbar und comichaft-realistisch gestaltet

8/10 Gesamtwertung

Ein Kommentar zu “Filmkritik: „Aquaman“”

  1. Achtung Spoilerwarnung!
    Der Film war meiner Meinung nach allgemein schon gut aber ich fand, dass die Filmemacher alle Klischees ausgepackt haben. Zum einen die eines Superhelden (er macht sich einen Erzfeind am Anfang des Filmes mit den Piraten und es kommt am Ende zum Showdown) und andererseits Atlantis (die Stadt selbst und der Dreizack).
    Für die Szenerie (besonders Unterwasser) und die Animationen bekommt der Film eine gute Bewertung

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