Superheldenfilme und -comics gibt derzeit zu Hauf. Gerade in der Comic-Welt werden auch gerne mal ganz interessante Experimente durchgeführt und verschiedene Universen vermischt. Was wäre zum Beispiel wenn damals nicht Bruce Wayne überlebt hätte, sondern seine Eltern? Das könntet Ihr in der „Flashpoint“-Storyline herausfinden. Heute soll es aber um einen mindestens genau so interessanten, aber dennoch thematisch ganz anderen Comic gehen: „Batman – Joker“ von Brian Azzarello und Lee Bermejo aus dem Jahr 2008.
Die Geschichte beginnt mit einem beinahe unmöglichen Ereignis: der Joker (psychopathischer Krimineller, der hier aufgrund eines Unfalls ein erbleichtes Gesicht und sich selbst die Mundwinkel aufgeschnitten hat) wird aus dem Arkham Asylum (Irrenanstalt Gotham’s) entlassen. Am Ausgang der Anstalt begrüßt ihn ein, für ihn bisher, Unbekannter, der sich freiwillig bereit erklärt hat ihn abzuholen, da sich alle anderen Gangster-Kollegen des Jokers darum drücken wollten.
Dieser Unbekannte heißt Jonny Frost und begegnet dem Joker hier das erste mal in seinem Leben. Der Clown-Prince-of-Crime hat große Pläne für seine Rückkehr und möchte in Gotham wieder das Chaos personifizieren. Dabei legt er sich nicht nur mit Batman, sondern vor allem mit Gotham’s bekanntesten Untergrund-Bösewichten, wie Killer Croc, dem Pinguin oder auch Two-Face an. Auf seinem brutalen Rachefeldzug möchte Jonny Frost den verrückten Kriminellen begleiten und wird zu einer Art Robin des Jokers.
Das Comic „Batman – Joker“ ist wahnsinnig interessant. Das liegt vor allem daran, dass das hier thematisch kein Batman-, sondern wirklich ein Joker-Comic ist. Man bekommt einen tieferen Einblick in das Leben des Clowns, welches normalerweise in den Comics immer nur am Rande erwähnt wird. Gleichzeitig haben wir seinen ständigen Begleiter Jonny Frost. So kriegen wir vor allem einen persönlichen Eindruck, wie dieser das Zusammenarbeiten und -leben mit dem Joker empfindet. Die Geschichte selbst erinnert stark an eine Gangster-Story. Sie handelt von Intrigen, illegalen Geschäften und wer der Boss des Untergrunds ist. Dadurch erinnert das Comic stellenweise an bspw. den Film „American Gangster“ (2007), der auch eine Mafia-Geschichte ist und natürlich an „Batman – The Dark Knight“ (2008). Allein der Look des Jokers, ähnelt dem Joker aus besagtem Film in jeder Hinsicht. Tatsächlich soll dieses Comic auch eine Anlehnung an Heath Ledgers Perfomance sein.
Die Geschichte ist vor allem zu Beginn sehr interessant. Ich meine, wer hätte jemals gedacht, dass der Joker aus Arkham Asylum entlassen wird? Dieses Ausgangsszenario bietet sehr viel Stoff für geschichtliche und zeichnerische Raffinessen. Und vor allem geht es um die Frage, ob ein Psycho- und auch Soziopath, wie der Joker, mit einem Sidekick umgehen kann. Wer die zahlreichen Geschichten von Joker einigermaßen kennt, weiß auch sicherlich wer Harley Quinn ist (siehe Vorschaubild). Sie ist es, die als einzige jemals Liebe für den Joker empfinden konnte. Allerdings beruht dies nicht auf Gegenseitigkeit. Interessant ist deshalb ihre Inszenierung in diesem Comic. Sie scheint zwar ebenfalls mit dem Joker liiert zu sein, dabei ist es aber auch von ihrer Seite aus alles andere als eine innige Beziehung. Die, den-Joker-sonst-so-vergötternde, Harley Quinn gibt es hier nicht. Mehr wirkt es so, als sei es für sie eine Art Routine, mit ihm Verbrechen zu begehen … wenn er da ist und wenn er in der Anstalt sitzt, dann eben nicht.
Aber der Kern der Geschichte ist, dass sich Jonny Frost mit dem Joker anfreunden möchte – ein Versuch, der eigentlich schon zu Beginn zum Scheitern verurteilt war: der Joker hat keine Freunde. Doch glaubt man als Leser, dass es Jonny tatsächlich schaffen könnte, das Eis zu brechen. Ebenso ist das ein psychologisch wahnsinnig guter Ansatz um mal eine ruhigere (dennoch sehr brutale) Geschichte zu erzählen, die den Joker mal (fast) von einer ganz anderen Seite zeigt. Ob es Jonny Frost gelingt dem Joker ein Freund und Geselle zu sein, solltet ihr allerdings selbst herausfinden.
Kriterien:
- 8/10 Geschichte: sehr interessante Gangster-Geschichte; setzt aber viele Grundkenntnisse voraus, dementsprechend, eignet sich das Comic nicht für Batman-Einsteiger; enthält aber einige fabelhafte Raffinessen, die man so nicht erwartet hat
- 6/10 Dialog und Wortwahl: die Konversationen sind auf jeden Fall alle gut geschrieben, dennoch ist keine außerordentliche Besonderheit dabei; sehr ordinäre Wortwahl
- 8/10 Bildgestaltung: die Bilder sehen wirklich sehr gut aus; man merkt die Liebe zum Detail; was vor allem wichtig und wahnsinnig „schön“ ist, dass die Personen alle sehr heruntergekommen und „abgefuckt“ gezeichnet wurden, dadurch wird das Gefühl von einem Untergrund-Szenario noch besser transportiert
- 7/10 Bildanordnung: sehr einfach gehalten, würde aber auch sonst nicht zu dieser Art Comic passen; also trotzdem gut gelungen
- 7/10 Originalität: die Originalität fällt insofern stellenweise weg, da sich das Comic sehr am Film „The Dark Knight“ (2008) orientiert; dennoch kann das Comic gerade zu Beginn mit interessanten Einfällen und Ideen punkten (Stichwort: Brutalität); es ist aber rein geschichtlich eben nicht sonderlich originell, aber innerhalb der Geschichte, bemerkt man viele kleine, aber tolle Ideen
7,2/10 Gesamtwertung

