Ab und an stellt sich einem die Frage, ob eine Fortsetzung eines Filmklassikers tatsächlich von Nöten ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Original-Schauspieler bei einem zeitlichen Abstand von circa 20 bis 30 Jahren nicht unbedingt ihrem alten Ich in allen Facetten gleichen. Macht man also ein Remake, gleich ein Reboot oder lässt man das Unterfangen nicht doch einfach ruhen?
„Shaft“ aus dem Jahr 2000 ist ein All-Time-Klassiker. Der Humor Samuel L. Jacksons, in seiner Rolle als Ex-Polizist John Shaft, ist unvergleichlich und das 90er Jahre bis Millennium-Feeling hätte besser nicht aufgefangen werden können. Ein kleiner Film, dessen Drehbuch nach einer Romanvorlage von Ernest Tidyman entstand und als eine Fortsetzung der „Shaft“-Filme aus den 70er Jahren angesehen werden kann.
Auch wenn besagter Film ganz bestimmt niemals als Meilenstein der Filmgeschichte angesehen werden wird, ist er dennoch über seine kurzweiligen und unterhaltsamen 95 Minuten ein charmanter Film mit einem, von Charisma nur so strotzenden Protagonisten: Samuel Leroy Jackson.
Dieser Mann gleicht schon fast einem Weltwunder. Nicht umsonst sagte Ted damals: „You ever seen any movie ever? He’s the black guy!“ („Ted 2“, 2015). Von seinen vier Tarantino-Filmen („Pulp Fiction“, 1994 – „The Hateful Eight“, 2015), über seiner Rolle als Mace Windu in der zweiten „Star Wars“-Trilogie (1999-2005), bis zu seiner Rolle als Nick Fury im MCU und unzähligen Klassikern, ob gut oder schlecht, wie „Deep Blue Sea“ (1999) oder der Neuverfilmung von „RoboCop“ (2014), dem Schauspieler ist kein Genre fremd. Dabei hat er sich bisher auch stets von Sequels, zu ursprünglich als Einzelwerk angelegten Filmen, ferngehalten. Bis jetzt.
2017 sicherte sich Netflix die internationalen Distributionsrechte des Originals „Shaft“ und die Rechte daran, den neuen Film mit zu produzieren. So stellte Netflix mit circa 30 Millionen Dollar die Hälfte des Budgets, während die Neuverfilmung zum größten Teil von New Line Cinema produziert wurde.
Im Juni diesen Jahres erschien dann der Film in ausgewählten Kinos in den USA und geriet dort aber schnell zum Flop, so konnte er in den ersten 2 Wochen gerade einmal circa 12 Millionen Dollar einnehmen, Tendenz sinkend. Außerdem wurde der Film von den schon ohnehin wenigen Kinobesuchern nicht sehr positiv aufgenommen und auch die Kritiker konnten keine schätzenden Worte verlieren. Daher gibt es hier eine weitere garantiert spoilerfreie Filmkritik.
Die Handlung des Films dreht sich wieder um John Shaft, diesmal in Kombination mit seinem Sohn John Shaft Junior. Als FBI-Agent wollte er trotz des sehr schwierigen Verhältnisses zu seinem Vater, in seine Fußstapfen treten und für den Staat und die Gerechtigkeit arbeiten, wenngleich ihm die unorthodoxen Methoden seines Vaters erst im Laufe des Films nach und nach bewusst werden.
Dabei liegt der Fokus der Story klar auf der Vater-Sohn-Beziehung und wie sich die beiden kennenlernen und man vergisst sehr schnell, was eigentlich die Geschichte hinter dem relativ actionreichen Geschehen war.
Und da tritt auch schon das erste Problem des Films auf. Zwar ist die Beziehung der beiden ungleichen Familienmitglieder hin und wieder charmant und lustig anzusehen, aber sie dominiert den ganzen Film und ist dabei aber gleichzeitig nicht gut und filigran genug ausgearbeitet. Sonderlich kreativ kann sie auch nicht genannt werden, sodass dem Zuschauer völlig egal ist, was mit dem jungen Mann geschieht und wie Sam L. Jackson als Vater damit umgeht. Und das schlimmste ist: man glaubt den beiden Schauspielerin nicht, dass sie hier Vater und Sohn verkörpern. Dieses wahre Dilemma zieht sich durch den gesamten Film und hinterlässt einen nicht nur schlechten sondern einen, im Nachhinein betrachtet, katastrophalen Nachgeschmack.
Zwar spielen sich die beiden Protagonisten im Laufe des Films langsam warm und damit ist allerdings nicht das Drehbuch sondern, das Schauspiel selbst gemeint. Denn dieses schafft es nicht einmal eine glaubhafte Interaktion oder Interkommunikation zwischen Vater und Sohn vor der Kamera zu inszenieren. Und das kann für den einen oder anderen Zuschauer doch sehr anstrengend werden auf Dauer. Auch wenn das Charisma stellenweise stimmen mag und einem der eine oder andere sehr kleine Lacher entfleucht, hinterlässt die Story doch einen sehr faden Nachgeschmack.
Erst nach einer Stunde Spielfilmlänge kommt der Film langsam in Fahrt. Samuel L. Jackson ist dabei noch der einzige Lichtblick in diesem missratenen Sequel. Jedoch kommen einem Drehbuchzeilen, wie „It’s your Duty, to hit that Booty!“ im Jahr 2019 ein wenig deplatziert vor und der Versuch, dadurch die Nostalgie des Zuschauers zu wecken scheitert kläglich.
Das Jacksons Filme ganz bestimmt kein Gütesiegel tragen, ist vermutlich jedem bekannt und dennoch hoffte man, dass dieses Sequel im Punkten wie Witz und Dynamik zumindest dem Original ebenbürtig sein wird. Doch die ersten Trailer ließen bereits einen sehr flachen und schlechten Humor vermuten und dementsprechend ist man als Zuschauer auch nicht überrascht über das, was einem hier geboten wird.
Bereits die Anfangssequenz in der Shaft Junior vorgestellt wird ist wahnsinnig trashy, aber das nicht im positiven Sinne. Das Hauptquartier des FBI sieht derartig klischeehaft und billig aus, sodass man dem Film sein 60 Millionen-Dollar-Budget nicht ansieht.
Der Comic Relief entsteht dann in der Regel durch Meinungsverschiedenheiten und Generationsdifferenzen zwischen Vater und Sohn. Das kann anfangs lustig sein, aber man ermüdet daran, von Szene zu Szene, immer stärker.
Geradezu nervig, fast nervtötend sind die Beziehungsprobleme und Diskussionen zwischen Shaft Juniors Mutter und seinem Vater. Kurzeitig hat man das Gefühl man steckt in einer schlechten Komödie à la „What Men Want“ (2019) oder „Think Like a Man“ (2012). Letzteres ist unter Umständen nicht zu verwunderlich, da der Regisseur, Tim Story, ein und der selbe ist.
Besonders langweilig ist aber nicht der Antagonist, sondern die Antagonisten. Während Christian Bale im Original eine grandiose Performance abliefert und man ihn für seine schmierige, asoziale und perfide Rolle gleichzeitig liebt und ihn dafür hasst, kann ich mich beim Schreiben dieser Kritik nicht einmal mehr an den Bösewicht dieses Remakes erinnern. Ich denke das spricht Bände.
Die einzigen Lichtblicke des Films sind weder das Schauspiel noch das Drehbuch. Es ist die Musik. Der Filmscore umfasst eine breite Palette an verschiedenen Klassikern und modernem HipHop. Ob „Mary Jane“ (1978) von Rick James oder „93 ‚til Infinity“ (1993) von Souls of Mischief, der Score bleibt im Kopf und wird bei, in den 90er Jahren Geborenen, definitiv Nostalgie auslösen. Doch macht dies den Film am Ende auch nicht besser.
Es heißt ein schlechter Regisseur kann ein gutes Drehbuch in eine Katastrophe verwandeln, aber kein Regisseur der Welt kann aus einem schlechten Drehbuch einen guten Film drehen. Kurz um, das Drehbuch ist eine Katastrophe, es ist belanglos und langweilig. Der Film zieht sich ewig hin und die Zeit vorm Fernseher zerrinnt förmlich langsam, aber sicher vor den Augen und das bei einer überschaubaren Spielfilmlänge von gerade einmal 1 Stunde und 52 Minuten. Ein Film den man schneller vergessen, als ihn angesehen hat.
Ein Klassiker hat es sich in der Regel stets verdient, als solcher bezeichnet zu werden. Manchmal geschieht das sofort, oft erst Jahre oder Jahrzehnte später. Filme wie Oliver Stone’s „Natural Born Killers“ (1994) mussten auch erst floppen, um anschließend als Klassiker zu gelten. Doch waren dies gute Filme, die damals nur noch nicht das richtige Publikum hatten. „Shaft“ aus dem Jahr 2019, wird diesen Status bestimmt nie erreichen. Da mir persönlich kein Publikum einfällt, dem dieser Film gerecht werden kann, da kein Publikum auf der Welt einen Film, wie diesen verdient hat.
Kriterien:
- 2/10 Drehbuch: nett, aber mehr auch nicht; einfallslos im Vergleich zum Vorgänger; hält keine Überraschungen bereit und zieht sich von Szene zu Szene
- 3/10 Protagonisten: Sam L. Jackson sorgt für die wenigen Lichtblicke des Films; alle anderen Darsteller fühlen sich deplatziert, einseitig und trivial bis langweilig an; es fehlt ein Antagonist, denn dieser könnte langweiliger nicht sein
- 3/10 Kameraarbeit: absoluter Durchschnitt und lässt nicht einmal dabei besondere Erwähnungen zu
- 4/10 Szenenbild: das Szenenbild ist weder schlecht noch besonders gut geworden; man vermisst in diesem Film die Straße, der Ort auf dem sich das meiste Geschehen seines Vorgängers abgespielt hat
- 5/10 Kostüm, Make Up, Visual Effects: die visuellen Effekt sind grundsolide, mehr aber auch nicht; dabei hätte man gerade hier den lustigen Trash-Faktor anheben können
3,4/10 Gesamtwertung

