In der Nacht vom 23. auf den 24. April diesen Jahres startete das große vorübergehende Finale des Marvel Cinematic Universe (MCU) in den deutschen Kinos und Fans auf der ganzen Welt konnten nach einem Jahr Wartezeit herausfinden, was der Titan Thanos tatsächlich angerichtet hat und welche Konsequenzen seinen Taten folgen werden.
Als ich damals „Avengers: Infinity War“ (2018) im Kino anschauen durfte, konnte mich der Film nicht komplett abholen und in den Bann ziehen. Dabei wurde Thanos seit bereits sechs Jahren im MCU angekündigt, bis er in diesem Filmevent erstmals als Protagonist auf der großen Kinoleinwand zu sehen war. Vor allem bemängelte ich damals den fehlenden Tiefgang und die fehlende Charakterentwicklung bei dem einen oder anderen Helden oder aber Schurken, insbesondere Thanos.
Um mir aber dann letzten Endes ein genaues Bild von „Avengers: Endgame“ machen zu können, nahm ich mir die Zeit um jeden einzelnen MCU-Film nochmals anzuschauen, angefangen bei „Iron Man“ (2008) bis „Captain Marvel“ (2019) und so warf ich insbesondere auf „Infinity War“ ein besonders großes Augenmerk und diesmal konnte der Film mich tatsächlich mühelos überzeugen. Eingebettet in alle Geschichten, die es bisher gab, macht es wahnsinnig Spaß und bereitet viel Freude und Spannung den Kampf gegen Thanos zu verfolgen und den Tiefschlag selbst zu verspüren, als die altbekannten Helden, sich das erste mal geschlagen geben mussten. Allerdings half es ungemein, davor eine Recap aller MCU-Filme vorgenommen zu haben.
Was während dem „Infinity War“ noch ein kleines Problem war, ist in „Endgame“ überhaupt nicht mehr bemerkbar. Man kann sich mühelos mit allen Charakteren identifizieren und keiner der Helden/Heldinnen fühlt sich zu viel oder fehl am Platz an. Während im Vorgänger eher die Masse an Protagonisten das Folgen der Geschichte erschwerte, ist es in diesem Film tatsächlich, das etwas wirre Storytelling selbst. Sodass es sich definitiv anbietet, einen Blockbuster, wie diesen, min. zweimal im Kino zu sehen. Ob sich dies auch auf einer cineastischen Ebene lohnt, erfahrt Ihr in einer neuen garantiert spoilerfreien Filmkritik.
In „Avengers: Endgame“ sollen nun Thanos Taten ungeschehen oder anderweitig nichtig gemacht werden und das Ziel ist es, alle, die im Vorgänger zu Staub zerfielen, wieder zurückzuholen. Den überlebenden Avengers ist klar, dass sie dafür jegliche Infinity-Steine diesmal selbst brauchen werden. Dafür begeben sie sich auf einen gefährlichen Weg, auf welchem sie nicht sicher sein können, ob sie überleben werden oder nicht.
„Avengers: Endgame“ ist ein Film, geschrieben für die Fans. Gerade diese spekulierten im Vorfeld wild herum, welche Richtung der Film einschlagen würde. Dabei hält er viele Überraschungen parat, die man so nicht hat kommen sehen und seine zahlreichen Easter Eggs und Cameos sind einzig und allein eine große Liebeserklärung an Marvel Comics, das MCU und natürlich ihrem Schöpfer: Stan Lee.
Der Film fängt unerwartet an und verfolgt zwar die von vielen erwartete Theorie des Zeitreisens, aber schafft es jene tatsächlich so plausibel zu erläutern und zu etablieren, sodass vorgehende Filme nicht zunichte gemacht werden oder ihnen gegenüber gar ein Gefühl von Trivialität aufkommt.
Doch gerade beim Zeitreisen verbergen sich im Drehbuch, ein paar Unstimmigkeiten und nicht alles ergab vollständig Sinn. Und dennoch bereiten einem die zahlreichen Abenteuer, die die Helden in diesem Film bestreiten, viel Freude. Und für manche ist es auch das letzte Abenteuer und das Ende einer langen Reise durch die Infinity Saga, die mit diesem Film ihr Ende fand.
Ein Film, wie dieser, genießt den großen Luxus unvermittelt anfangen zu können. „Avengers: Endgame“ ist der inzwischen 22. Film des größten und erfolgreichsten Filmfranchises aller Zeiten, dem MCU.
Aufgrund der zahlreichen Schauspieler und Schauspielerinnen innerhalb dieses Films möchte ich heute nur auf den Mad Titan „Thanos“ und die sechs Hauptdarsteller eingehen, die bereits vor dem ersten Team-up in „The Avengers“ (2012) die Kerngruppe bildeten: Thor, Captain America alias Steve Rogers, der allzeit unterschätzte Hawkeye alias Clint Barton, der seit 2012 neu besetzte Hulk alias Bruce Banner und natürlich Black Widow alias Natasha Romanoff und Iron Man alias the Godfather himself alias Tony Stark, denn einzig und allein ihnen ist dieser Film letzten Endes gewidmet.
Josh Brolin ist nun bereits seit der Post-Credit-Scene in „Avengers: Age of Ultron“ (2015) als Thanos auf der großen Kinoleinwand zu sehen. Doch hat es von da an noch drei ganze Jahre gedauert, bis man ihn in Aktion sehen konnte und man sollte nicht enttäuscht werden. Die Rolle des Thanos scheint ihm, wie auf den Leib geschrieben zu sein, wenngleich, die absolutistischen Ansichten des Titans nicht immer nachvollziehbar sind (Denkanstoß: wenn das Universum aufgrund mangelnder Ressourcen im Ungleichgewicht ist und er dagegen vorgehen möchte, hat er dann Unrecht und wäre es nicht möglich gewesen, mit allen sechs Infinity Steinen, anstatt alles Leben zu halbieren, die Ressourcen und bewohnbaren Flächen kurzerhand zu verdoppeln?). Nichtsdestotrotz ist dies seine Paraderolle, auch wenn ich mir für ihn, auch in diesem Film, wesentlich mehr Tiefgang und Hintergrund zu seiner Persönlichkeitsentwicklung gewünscht hätte, aber das ließen wohl die Twists, Wendungen und zahlreichen anderen Charaktere, insbesondere die Uravengers, innerhalb des Drehbuchs nicht zu.
Chris Hemsworth und Chris Evans, als Thor und Captain America sind in einem Wort, die Idealbesetzungen, für ihre Rollen. Gerade Chris Hemsworth hat als Donnergott, spät. seit „Thor: Tag der Entscheidung“ (2017) das perfekte Image und wird nicht mehr als altmodischer Nebencharakter abgestempelt. So werden Fans seine diesjährige Verkörperung des Sohn Odins entweder lieben oder hassen, mehr sollte nicht dazu gesagt werden. Auf der anderen Seite spielt Chris Evans, in bekannter Manier den Captain und erreicht, aufgrund seines stets würdigen Verhaltens ein Upgrade, dass ihn stärker als je zuvor macht. Beide Darsteller liefern ein starke Perfomance ab. Auch wenn Hemsworths beste Verkörperung wohl „Thor 3“ und Evans „Captain America 2&3“ bleiben werden und dennoch sind sie absolut unersetzbar und unverzichtbar für diesen Film und beeinflussen ihn nicht nur innerhalb der Handlung, sondern auch mit ihrem grandiosen Schauspiel.
Ebenso eklatant wichtig fielen Mark Ruffalos und Jeremy Renners Perfomances, als Hulk und vlt. Hawkeye o. Ä., aus. Beide hatte man im Vorgänger schwer vermisst, wenn auch Dr. Banner zu sehen war, aber seiner alter Ego Hulk, hatte damals andere Pläne. Beide nehmen in diesem Film wichtige und tragende Rollen ein und erleiden beide einen Verlust, der sie auch über die Handlung dieses Films hinaus zeichnen wird. Beide Darsteller wurden in ihren Rollen auf eine neue Ebene katapultiert und sie bekamen die Möglichkeit zwei komplett neue Interpretationen ihrer Charaktere zu spielen und dies zahlte sich auf ganzer Linie aus und sorgte für die eine oder andere Überraschung während des Films: tolles Drehbuch ebenso wie geniale Verkörperung zweier inzwischen Kultfiguren.
Abschließend bleiben da noch die ersten beiden Helden der Avengers, die erstmals aufeinander trafen: Scarlett Johansson und Robert Downey Jr., in ihren Rollen als Black Widow alias Natasha Romanoff und Iron Man alias Tony Stank äh Stark. Diese verkörpern sie nun bereits seit 2010 und 2008 und bildeten somit die, im Grunde ersten, auf der Leinwand präsentierten, Mitglieder der Avengers. Beide bekamen in diesem Film die jeweils tiefgründigste Geschichte und es kommt sogar Wehmut auf, wenn man den Weg betrachtet, den sie das letzte Jahrzehnt gegangen sind. Ihre Charaktere erlebten einen großen Wandel innerhalb der Geschichten und Abenteuer und sie wuchsen aneinander, in guten und in schlechten Zeiten. Dabei präsentierten uns die beiden Schauspieler eine sehr besondere Freundschaft, die es nicht immer leicht hatte. Sie formten das MCU immens und es stünde ohne sie nicht dort, wo es heute ist. Robert Downey Jr., einen in den 90er Jahren drogenabhängigen und häufig straffälligen Schauspieler zu casten, erschien damals als eine der irrwitzigsten Ideen und das noch dazu in einem Superheldenfilm, der ganz neues Terrain betreten würde. Ein Terrain, welches dem Film „Iron Man“ (2008) über eine halbe Milliarde Dollar einnehmen lassen sollte: das Marvel Cinematic Universe war geboren.
Bereits im Sequel stand Scarlett Johansson an seiner Seite und sie belegten damit über mehrere Jahre, die mit am wichtigsten Rollen im größten Filmfranchise aller Zeiten. Insbesondere sie waren es die immer wieder Tiefgang in die aberwitzigen Geschichten und CGI-Kämpfe brachten und mit ihrer starken schauspielerischen Präsenz, Mimik und Gestik die Zuschauer in ihren Bann zogen, so auch in diesem Film. Ganz besonders in diesem Film.
„Avengers: Endgame“ nimmt sich die Zeit beiden Charakteren einen würdevollen Abschluss für das MCU vorzubereiten und so wird der eine oder andere Marvel-Liebhaber zurückblicken und vor Freude oder auch Trauer unter Umständen feuchte Augen bekommen und man darf gespannt sein, was ihre Charakterentwicklungen bereithalten.
Alles in allem ist „Avengers: Endgame“ kein fehlerfreier und genialer Superheldenfilm geworden. Er kann verwirren und beim ersten mal schauen, viele Fragen aufwerfen, die beim wiederholten Sehen auch nicht alle beantwortet werden. Er überzeugt nicht mit der gerissensten Geschichte oder ausnahmslos atemberaubenden schauspielerischen Leistungen. Denn wie auch schon seinen Vorgänger „Avengers: Infinity War“, muss man ihn als ein Teil des großen Ganzen sehen. Was bedeutet dieser Film für alles Vorhergegangene?
Er ist, wie bereits erwähnt, eine große Liebeserklärung an die Fans, die seit über zehn Jahren, die Geschichten dieser Marvel-Helden verfolgen und lieben. Es ist das Endprodukt jahrelanger Verbesserung von CGI (Computer Generated Imagery) und jeglichen Computereffekten. Es ist ein Film der zeigt, was Kino sein kann, gigantisch, teuer und unglaublich rentabel. Facetten, die von vielen negativ beäugt werden (Können irgendwann nur noch Franchise auf dem Filmmarkt überleben?), bewundernswert und erschreckend zugleich.
Kriterien:
- 7/10 Drehbuch: ein Drehbuch, das versucht, alles abzudecken und nochmals zu erwähnen, was je im MCU seinen Platz gefunden hat, starke Leistung an sich; kann aber verwirren, wenn man sich nicht mit den meisten Filmen auskennt; der Film lebt von Easter Eggs und Fanservice; kreiert dabei aber eine vielschichtige Story, die allerdings nicht zu jeder Sekunde vollends Sinn ergibt oder von glücklichen Zufällen lebt
- 10/10 Protagonisten: dem Schauspiel ist in diesem Film nichts hinzuzufügen; tadellose Leistungen der Hauptdarsteller; insbesondere die sechs Uravengers bekommen hier die Möglichkeit nochmal ihr gesamtes Potential auszuschöpfen
- 8/10 Kameraarbeit: wieder sorgen IMAX-Kameras für einen sehr hochwertigen Stil; der Schnitt hier ist ruhiger und angenehmer, als in „Infintiy War“ und es werden noch schönere Bilder eingefangen (oder eben animiert)
- 9/10 Szenenbild: das Szenenbild, ist das mit hochwertigste, was man in den letzten Jahren auf der Kinoleinwand bestaunen durfte; die Liebe zum Detail, kommt klar und deutlich zum Vorschein und das CGI ist hier meiner Meinung nach besser gelungen, als bspw. in „Infinity War“ oder „Black Panther“
- 10/10 Kostüm, Make Up, Visual Effects: die Kostüme der Charaktere sehen in einem Wort „grandios“ aus; insb. wenn die Masse an Helden beachtet wird, ist es umso eindrucksvoller, dass auf jeden einzelnen noch so „unwichtigen“ Nebencharakter geachtet wurde, sodass jeder mit einem filigran designten Kostüm vor der Kamera stehen durfte; auch hier muss nochmals das CGI und die Visual Effects angesprochen werden, Welten und besondere Kameraführungen, die in vorhergehenden Filmen, als etwas Neues etabliert wurden (vgl. „Antman“), treten hier mit einer derart schönen Selbstverständlichkeit auf und es ist bewundernswert, wie Regie, Drehbuch und das Visual Effects Team all diese Visionen umgesetzt haben
8,8/10 Gesamtwertung

